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Fundstück aus dem Jahr 2016: Bachelor-Arbeit über Flussbad

Die Bachelor-Arbeit „Wasserwirtschaftliche Effekte des geplanten Flussbads in Berlin“ wurde im Dezember 2016 von Ira Luzi Freude an der TU Berlin vorlegt. Wir veröffentlichen den dazugehörigen Artikel mit etwas Verspätung.

Das Flussbad ein Trittstein für sauberes Wasser

Die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union haben im Jahr 2000 mit der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) ein Regelwerk für den europaweiten aktiven Schutz der Gewässer verabschiedet. In den Jahren zuvor hatten mehrere Umweltkatastrophen die Brisanz des Themas verdeutlicht: Etwa der Sandoz-Großbrand 1986, der fast den gesamten Rhein vergiftete oder der Baia-Mare-Dammbruch in Rumänien, der insgesamt mehr als 2000 Kilometer Flusslauf mit Schwermetallen verseuchte.
Staatenübergreifende Maßnahmen hin zu einer strengeren nachhaltigen und umweltverträglichen Wassernutzung waren dringend notwendig, um weiteren Notlagen vorzubeugen und Forderungen aus der Umweltpolitik zu erfüllen. Das Resultat dieser Bemühungen ist die WRRL.

Was ist das Ziel der WRRL?
Mit der WRRL haben es sich die EU-Staaten zum Ziel gesetzt, die Flüsse, Seen, Kanäle, Binnenmeere und das Grundwasser Europas in einen „sehr guten ökologischen Zustand“ zu bringen. Anschaulich formuliert urteilt der ökologische Zustand darüber, ob typische Tiere und Pflanzen im Fluss und dessen Umgebung leben können. Des Weiteren soll mindestens ein „guter chemischer Zustand“ erreicht werden. Dieser legt die Grenzwerte der unterschiedlichen Stoffe im Wasser fest, also beispielsweise wie viel Sauerstoff, Nitrat oder Kohlenstoff vorhanden sein darf.

Wie Funktioniert das?
Zuerst müssen die Gewässer Europas auf Defizite untersucht werden. Daraufhin können Maßnahmen beschlossen werden, um ihren Zustand zu verbessern. Danach müssen diese Maßnahmenpläne umgesetzt werden.

Wie gehen wir nun mit den Gewässern um?
In Deutschland wird in Gewässer lediglich mäßig gut gereinigtes Wasser eingeleitet, große Lastkahne befahren die Wasserstraßen und auch die Freizeitnutzung von Flüssen und Seen hinterlässt ihre Spuren: all das kann einem Gewässer Schaden zufügen. In der WRRL geht es jedoch nicht darum, Gewässer nicht mehr anzutasten sondern darum, sie nicht mutwillig zu beschädigen sondern schonend mit ihnen umzugehen.

Wie gut ist der Zustand der Gewässer in Berlin?
Berlin ist eine Millionenmetropole, daher sind die Gewässer von der hohen Bevölkerungszahl und der industriellen Nutzung geprägt. Im Sinne der WRRL ist es deshalb wichtig, so gut es der urbane Raum zulässt die Spree beispielsweise für Fische attraktiver zu machen, aber auch ihren chemischen Zustand zu verbessern.

Was kann man nun also tun?
Natürlich können wir in Berlin keine weitläufigen Flussauen (Lebensraum in Ufernähe) und Naturreservate schaffen. Forschende haben sich damit beschäftigt, ob es ausreicht, nur kleine Abschnitte der Gewässer zu verbessern. Eine Maßnahme wäre zum Beispiel, kurze Strecken von ihren starren Ufermauern zu befreien.
Hier wirkt das Prinzip der Strahlwirkung: Leben in einem Gewässerabschnitt besonders viele verschiedene Organismen (z.B. kleine oder große Wassertiere) und sind die Lebensbedingungen dort gut, so können diese Organismen von diesem Ort aus in andere Abschnitte wandern. Ein solcher Ort wird als Strahlursprung bezeichnet. Die Organismen sind wie menschliche Wanderende: Sie können eine Zeit lang durch Brachland gehen, aber irgendwann müssen sie eine Rast einlegen. Diese Raststätten, in denen die Gewässer „nette“ Bedingungen, aber eben noch kein neues Zuhause bieten, nennt man Trittstein. Sie verlängern die sogenannten Strahlwege.

Ist das Prinzip der Strahlwirkung auf die Spree und das Flussbad anwendbar?
Dank der Strahlwirkung kann die komplette Sanierung eines Flusses vermieden werden. Dieses Prinzip bietet sich also besonders für Städte an. Mit dem renaturierten Bereich des Flussbades kann ein Trittstein geschaffen werden. Im Zusammenhang mit einem zugehörigen Strahlursprung kann ein solcher Trittstein einen wichtigen Beitrag zur Wasserqualität leisten.
Mit dem vorgestellten Prinzip der Strahlwirkung würde sich für das Flussbad eine neue Synergie ergeben: Es sensibilisiert für die kostbare Ressource Wasser und kann zur Umweltverbesserung beitragen.

Ira Luzi Freude, TU Berlin, Dezember 2016 - Bachelor-Arbeit eingereicht am 16.12. 2016 beim Institut für Bauingenieurwesen, Wasserwirtschaft und Hydrosystemmodellierung, Honoraprofessur für urbane Hydrologie, Prof. Dr.-Ing Heiko Sieker