Asset Publisher

Testfilter Anpassungen

Im dritten Betriebsjahr nehmen wir einige Veränderungen in unserer Testfilteranlage vor. Hier beschreiben wir, was und warum?

Seit Dezember 2018 liegt uns der erste Zwischenbericht zum Testfilter vor, der die Ergebnisse und Erkenntnisse aus knapp 2 Jahren Betrieb umfangreich darlegt. Die Schlussfolgerungen aus diesem umfassenden Dokument und aus den darauf aufbauenden Gesprächen mit dem betreuenden Büro AKUT Umweltschutz haben uns dazu bewegt, Anpassungen in der Anlage vorzunehmen. Seit Frühjahr 2019 arbeiten wir nun daran, die Änderungen umzusetzen und gehen davon aus, dass sie Mitte/Ende August 2019 abgeschlossen sind.

Sichtbar sind bereits jetzt neue Beschilderungen an Bord und eine aktualisierte Infotafel am Geländer. In Filter 1 bleibt derzeit baulich alles wie es ist. Hintergrund und Ergebnis der Umbauten der anderen Becken stehen im Detail hier:

Filter 2 (Lava/suberse Pflanzen)

Hervorragendes Wachstum von submersen Pflanzen im Filterbecken 2, Foto: cc Kai Dolata 2019

Filterbecken 2 wurde Anfang des Jahres in der Durchströmung umgebaut. In dem Becken fließt das Wasser nun von unten nach oben durch die Filterpackung. Der Umbau war relativ einfach: ein paar Rohrleitungen mussten verlängert bzw. verkürzt werden und die Ablaufumpe in ein selbst gebautes "Skimmerbecken" eingesetzt werden.

In den zwei Jahren Laufzeit haben wir festgestellt, dass insbesondere die Wasserlinse (umgangssprachlich Entengrütze) großflächig die Oberfläche der Becken bewächst und damit die Sonneneinstrahlung und daraus folgend die Biozönose innerhalb des Filters stört. Eine weitere Folge ist, dass sich absterbende Pflanzen auf der Oberfläche des Filters absetzen und ihn kolmatieren lassen. (Die Zwischenräume im Granulat werden verstopft und der hydrauliche Druck im Filter steigt z.T. bis kein Wasser mehr durchließt). Durch die Umkehrung der Fließrichtung wird das Flusswasser unter den Filter eingepumpt und steigt von da durch die Filterschicht nach oben, von wo aus es über einen Skimmer abgeschöpft wird. Dadurch werden auch die oberflächlich eingetragenen und schwimmenden Wasserlinsen mit abgepumpt, sodass ihre Populationsdichte relativ klein bleibt. 

Die bisherigen Erkenntnisse mit der neuen Fließrichtung sind positiv einzuschätzen.

Filter 3 (Kies/Schilf)

Filterbecken 3: der Kies wird mit vielen Freiwilligen in Eimern in das Frischwasserbecken getragen. Foto: cc Kai Dolata 2019
Der Filter 3 muss gereinigt werden! Wir haben vor zwei Jahren den Fehler begangen, die ca. 300 Schilfpflanzen mitsamt ihrer von der Gärtnerei gelieferten Erdballen in den Kiesfilter einzupflanzen. Diese Erdballen haben sich im Laufe der Zeit aufgelöst und mehr und mehr die Zwischenräume zwischen den Kieskörnern verstopft. Am Ende war der hydraulische Druck so groß, dass kaum noch Wasser durch den Filter fließen konnte. Aus diesem Grund haben wir den Kies mühsam und in ehrenvoller Freiwilligen-Handarbeit (hiermit nochmal ein Dank an alle Helfer) aus dem Becken herausgenommen und in das Frischwasserbecken umgelagert. Die Pflanzen haben wir vorher sorgfältig aus dem Becken entnommen, die Wurzeln von Resten der Erdballen befreit und zwischengelagert. In den kommenden Tagen werden wir neuen Kies einbringen, die Pflanzen ohne Erde einsetzen und den Filter wieder in Betrieb nehmen. Hier bleibt es bei einer vertikalen Durchströmen von oben nach unten.

Muschelreaktor

Der größte Umbau findet im (ehemaligen) Muschelreaktor statt. Die Muschelpopulation in dem Becken hat sich nicht so entwickelt, wie wir das antizipiert haben - im Gegenteil: Ihr Wachstum blieb weiter hinter den Vorstellungen zurück und viele sind im Becken verendet. Der Grund dafür kann vielfältig sein. 

Wir hatten angenommen, dass die durchschnittliche Filterkapazität von ca 7 Litern pro Muschel und Tag einen Großteil im Wasser gelöste Schwebstoffe absorbieren würde. Diese Annahme konnten wir in der bisherigen Laufzeit nicht wirklich verifizieren, sodass wir uns entschlossen haben, in dem Becken einen weiteren Festbettfilter zu installieren, der parallel zu den bereits vorhandenen drei Ergebnisse liefern kann. Dazu werden wir ihn im August mit einer Drainageschicht ausrüsten und Leitungswege anpassen, sodass das Becken eigenständig durchflossen und untersucht werden kann. Mit dem Muschelreaktor war das aus biologischen Gründen nicht erlaubt: Dessen abfließendes Wasser musste zwingend durch einen weiteren Festbettfilter hindurch, um keine Muschellarven in die Spree zu leiten.

Wir werden in dem Becken ein weiteren Kies/Schilf-Filter installieren und diesen vertikal von unten nach oben durchströmen. So können wir einen direkten Vergleich zum Filter 3 (ebenfalls Kies/Schilf -allerdings Durchfluss von oben nach unten) herstellen.