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"Nur die Harten kommen in den Garten." - Erlebnisbericht zum 1. FB-Pokal von Karsten Konrad

Ein wunderbarer Text eines passionierten Schwimmers, der am 1. FB-Pokal im Juli 2015 teilgenommen hatte.

Als passionierter Schwimmer braucht es eigentlich nicht viel, um mich ins Wasser zu locken. Mich für den Flussbad-Pokal anzumelden war Ehrensache, da ich das Projekt, die Spree in der Stadtmitte schwimmbar zu machen, für absolut unterstützenswert erachte. Nicht nur für „Wasserratten“ bedeutet dies ein unschätzbares Plus an Lebensqualität in Berlin.

Dieser Enthusiasmus ist auch vonnöten, wenn man an einem wolkenverhangenen Sonntagmittag im Juli auf der Brücke steht und die Kampfbahn a.k.a. Spree ins Visier nimmt. Der Himmel grau, die Spree schlammiggrau, die Kaimauer dunkelgrau. Die gelben Badekappen der Schwimmer tanzen tief unten wie Sektkorken im Wasser. So hat der Abstieg auf Spreeniveau etwas vom Gang in die Unterwelt – mit angenehmer Überraschung: Dank der bescheidenen Lufttemperaturen ist die Spree gefühlt nur unwesentlich kälter. Die Schwellenangst, den Fluss zu umarmen, schwindet. Ebenso ist das Spreewasser angenehmer als gedacht: es riecht nach nichts, es schmeckt nach nichts – Leitungswasser? Hochachtung habe ich allerdings vor den tieferen Gefilden, bloß schön parallel mit den Beinen auf der Wasseroberfläche bleiben, um Berührungen mit okkulten Objekten (Wasserpflanzen, gibt es die hier überhaupt?) oder versenkten Fahrrädern und Schrott (hat das THW hoffentlich vorsorglich weggeräumt) tunlichst zu vermeiden.

Wenn man dann mal in Gang gekommen ist, ist eigentlich alles normal und beim Kraulschwimmen die äußere Wahrnehmung ohnehin eingeschränkt: Das Weltkulturerbe aus der Untersicht – schon speziell. Wettbewerbsbedingt kann ich mich aber dennoch nicht richtig in den Anblick vertiefen. Die Kaimauer von unten ist verdammt hoch und dunkel, fast als wäre man aus Versehen in eine Schleuse gefallen. Die Brücken sind eine willkommene Abwechslung, und ein Orientierungspunkt mit Halleffekt.

Für einen, der vorwiegend im 27 Grad warmen Hallenbad schwimmt, macht sich nach einiger Zeit die Kälte bemerkbar, eine Kälte, die man auch mit verzweifelten Arm- und Beinbewegungen nicht abschütteln kann, und die einen ermuntert, sich zu fokussieren – auf das möglichst schnelle Ende dieses Abenteuers, das Ziel.

Das nächste Mal dann doch mit Neoprenanzug, bringt vielleicht auch ein paar Zehntelsekunden. Wettbewerb ist Wettbewerb.

Karsten Konrad ist bildender Künstler, lebt in Berlin und schwimmt seit über 25 Jahren täglich 2.000 Meter. Beim 1. Berlin Flussbad Pokal erschwamm er den 22. Platz.