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Projektteile räumlich

Die Bereiche des Flussbads

Vor mehr als 100 Jahren verlor der Spreekanal im historischen Zentrum Berlins seine ursprüngliche Funktion als Schifffahrtsroute. Das Projekt „Flussbad Berlin“ möchte diesen Flussabschnitt säubern, zugänglich und so auf neue Weise nutzbar machen. Der Spreekanal erstreckt sich auf einer Länge von etwa 1,8 Kilometern von der Fischerinsel bis zum Bode-Museum. Innerhalb dieses Wasserlaufs teilt sich das Vorhaben in drei Abschnitte: einen renaturierten Bereich an der Fischerinsel, einen Pflanzenfilter zur natürlichen Reinigung des Flusswassers auf Höhe des Auswärtigen Amts und schließlich eines der schönsten Flussbäder der Welt an der Museumsinsel.

Wasserlandschaft an der Fischerinsel

Lageplan an der Fischerinsel zwischen Inselbrücke und Gertraudenbrücke

Im oberen Abschnitt des Kanals – entlang der Fischerinsel bis zur Gertraudenbrücke – kann der Flusslauf wieder in einen natürlicheren Zustand versetzt werden. Durch den Einbau des Pflanzenfilters flussabwärts am Auswärtigen Amt sinkt die Strömungsgeschwindigkeit auf wenige Zentimeter pro Sekunde. Im Vergleich zu der als Schifffahrtsroute kanalisierten Hauptspree mit ihrer Fließgeschwindigkeit von bis zu anderthalb Metern pro Sekunde entsteht hier ein sehr ruhiger Bereich, der eher mit einem Altarm als mit einem Fließgewässer vergleichbar ist. Entsprechend könnten entlang der Fischerinsel am nördlichen Ufer einige Abschnitte der Kanalmauern entfernt werden um so wieder eine natürlichere, d.h. weiche Uferböschung und Flusslandschaft entstehen zu lassen.

Damit würde dieser besondere Bereich innerhalb der über Kilometer kanalisierten Innenstadtspree zu einer Art „Rastplatz“ für Tiere wie Libellen, Vögel und Fische. Auch Wasser- und Uferpflanzen könnten hier wachsen. Solche verbindenden Ruhezonen werden in der Ökologie als „Stepping Stones“ (Trittsteine) bezeichnet. Sie unterstützen die Migration bzw. Ausbreitung von Flora und Fauna und sind deshalb für die Wiederherstellung des ökologischen Gleichgewichts von besonderem Wert.

Der künstliche Altarm böte eine besondere Möglichkeit für die Menschen in der Stadt, den Fluss mit allen Sinnen zu erfassen.

 

Der Pflanzenfilter an der Friedrichsgracht

Lageplan des Filterbereichs zwischen Getraudenbrücke und Wehr

Mit einem natürlichen Pflanzenfilter ließe sich das verschmutzte Wasser im Spreekanal effektiv und ökologisch reinigen. Dafür ist der zweite Bereich, der Kanalabschnitt zwischen Gertraudenbrücke und Schleusenbrücke, vorgesehen: Auf etwa 300 Metern Länge wird das Wasser natürlich gereinigt. Es sickert von oben langsam durch ein 80 Zentimeter starkes Kiessediment in eine darunter gelegene Drainageschicht. Das so gereinigte, saubere Wasser fließt in Richtung Museumsinsel weiter. Um das Wasser durch den Kiesfilter zu pressen bedarf es keiner externen Energiequelle. Stattdessen nutzt das Filtersystem die idealen örtlichen Gegebenheiten: Das Gefälle eines bereits vorhandenen, anderthalb Meter hohen Wehres auf Höhe des ehemaligen Staatsratsgebäudes führt dazu, dass das Wasser allein mit Hilfe der Schwerkraft durch das Filtersystem fließt – 500 Liter pro Sekunde. Diese Menge reicht aus, um das gesamte Wasser im nun anschließenden Schwimmbereich zwischen Humboldt-Forum und Bode-Museum innerhalb eines Tages auszutauschen.  
Im Filterbereich wird die Kiesschicht mit Schilf bepflanzt, da die Arbeit der Wurzeln für Bewegung im Grund sorgt und so die anhaltende Durchlässigkeit gewährleistet. An der historischen Jungfernbrücke wird eine Lücke vorgesehen, damit die charakteristische Ansicht und Spiegelung im Wasser gewahrt wird. 
Nicht alle, derzeit in den Spreekanal eingeleiteten Abwässer würden vom Filtersystem aufgrund seiner Lage behandelt. In dem sich daran anschließenden Bereich, zwischen Humboldt-Forum und Bode-Museum, existieren sechs weitere Überlaufrohre der Berliner Kanalisation. Immer dann, wenn heftige Regenfälle für kurze Zeit das Fassungsvermögen der Kanalisation überlasten kommt es demzufolge auch hier zur Einleitung von ungefiltertem Abwasser. Das ist etwa zehn Mal pro Jahr der Fall. Um diese Belastung in den Griff zu bekommen, könnte für das 1,80 Meter hohe Rohr oberhalb der Schleusenbrücke ein Bewirtschaftungsbauwerk mit einem Rückhaltebecken errichtet werden. Das Wasser könnte von dort in geringen Mengen sukzessive durch ein langes Rohr, in das auch die anderen fünf kleineren Überläufe münden, in die Hauptspree jenseits des Bode-Museums geleitet werden. So wird verhindert, dass derartige Einleitungen in den Kupfergraben gelangen. 

 

Die saubere Spree an der Museumsinsel

Lageplan der Museumsinsel
Durch die Filterung des Wassers entsteht zwischen Schlossplatz und Bode-Museum ein 840 Meter langer Abschnitt des historischen Spreekanals, in dem der Fluss und das saubere Wasser neu erfahren werden können. An der nördlichen Inselspitze unterhalb der südlichen Monbijou-Brücke grenzt ein neues Abschlusswehr den Bereich des sauberen Wassers gegen die Hauptspree ab. Durch die an zwei Stellen abgetreppten Uferwände hier und ...wird der Zugang zur Spree und somit der Aufenthalt unmittelbar am Wasser und das Schwimmen im Fluss möglich. Auf der gegenüberliegenden Seite, entlang der westlichen?? Kanalmauer, werden die bereits vorhandenen kleinen Treppen als weitere Zugänge zum Fluss geöffnet. 
Für Schwimmer sind verschiedene Möglichkeiten zum Umkleiden denkbar. So wäre der Sockel des künftigen Freiheits- und Einheitsdenkmals am Humboldt-Forum, der mit einer zur Kaiserzeit als Bootsanlegeplatz gedachten künstlichen Grotte ausgestattet ist, eine Option, um sich im Sichtschutz des Bauwerks umziehen und ins Wasser gelangen zu können. Das historische Bauwerk könnte eine schwimmende Plattform aufnehmen, auf der entsprechende Kabinen stehen.  
Im Wasser könnten kleine Inseln oder Stege das Ausruhen ermöglichen und die Sicherheit der Schwimmer gewährleisten. Alternativ könnte entlang der westlichen Ufermauer ein durchgehender Holzsteg angelegt werden, der nicht nur für Schwimmer zugänglich ist, sondern auch den Kanalraum für Spaziergänger öffnet und eine entspannte Unterquerung des vielbefahrenen Boulevards Unter den Linden erlaubt. Auf den großzügigen Ufertreppen werden im Sommer Einheimische und Besucher der Stadt zusammenkommen und die Abendsonne genießen. Durch den Zugang zum Fluss entsteht in der Innenstadt ein neuer öffentlicher Raum.