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Mischwasserkanalisation

Mischwasserkanalisation und ihre Überläufe

Die Berliner Mischwasserkanalisation ist in ihrem historisch-technischen Ansatz eine enorme Bereicherung gewesen. Mit der Klimaveränderung und häufiger auftretenden, lokalen Starkregenereignissen ist sie jedoch überlastet und sorgt regelmäßig für eine enorme Verschmutzung der Spree

Der Bereich der Berliner Mischwasserkanalisation innerhalb des erweiterten Stadtzentrums (eigene Darstellung)

Unter Berlins historischer Innenstadt verläuft das weit verzweigte Netz der Mischwasserkanalisation, in das Haushaltsabwässer und Fäkalien, aber auch Regenwasser aus Freiflächen wie Plätzen, Straßen und Hinterhöfe gesammelt und abtransportiert werden. Durch die Mischung von Regenwasser und Abwasser kommt es bei so genannten Starkregen-Ereignissen lokal zu Überlastungen im Kanalnetz, die dazu führen, dass ungeklärte Mischabwässer in die Spree eingeleitet werden.

In der vor dem 20. Jahrhundert zur Hygiene dienenden Spree mussten durch die zunehmende Wasserverschmutzung und den katastrophalen, bakteriologischen Zustand des Spreewassers bis 1925 alle Flussbadeanstalten im Bereich Alt-Berlin geschlossen werden. Bis heute hat sich dieser Zustand nur wenig verändert..

Das Mischwasserkanalsystem bleibt das zentrale Problem, will man die Qualität der Spree nachhaltig verbessern. Dreißig bis fünfzig Mal im Jahr regnet es so stark, dass es das Kanalisationsnetz für kurze Zeit überlastet. Eine Entspannung ist kurz- und mittelfristig nicht abzusehen, auch wenn die Stadt laufend das Netz erneuert und die alten Mischwasserkanäle durch getrennte Kanäle für Abwasser und Regenwasser installiert. Auch Rückhaltebecken und Tanks, die unter Straßen und Neubauten entstehen, und eine intelligente und vernetzte Pumpensteuerung der Pumpwerke reichen nicht aus, die anfallende Regenwassermenge im Gesamten aufzufangen.

Hinzu kommt, dass die Spree relativ langsam fließt und etwa 14 Tage benötigt, um durch Berlin hindurch zu kommen. Manchmal fließt sie sogar zurück, was die gesamte Situation erneut strapaziert. Durch den langsamen Strom setzen sich zudem Feststoffe leichter am Boden der Spree ab, was eine zusätzlichen und dauerhafte Kontaminierung bedeutet.

Das Pilotprojekt Spree2011 nimmt sich der Einleitungsproblematik an, in dem Tanks vor den Überläufen installiert werden sollen, die die Starkregen-Wassermengen zwischenspeichern und nach dem Ende des Regens wieder in die Kanalisation zurückpumpen. Weitere Maßnahmen sind seitens der Wasserbetriebe geplant. Ein Umbau des Kanalisationsnetzes wird jedoch mehrere Generationen benötigen.

Überläufe im Projektgebiet

Die Einleitungsstellen im Projektgebiet mit ihren jährlichen Durchschnittseinleitungsmengen ungeklärter Abwässer

Aufgrund der topografisch flachen Stadtfläche Berlins werden Überlaufbauwerke zum Teil über mehrere Kilometer an die Oberflächengewässer herangeführt. Das führt dazu, dass lokale Regenereignisse selbst in 2-4 km Entfernung von der Spree enorme Auswirkungen auf die Wasserqualität des Flusses haben.

Über insgesamt elf Überlaufstellen im Bereich des Spreekanals werden bei bis zu 20 Ereignissen pro Jahr in der Summe ca. 45.000 m3 ungeklärte Abwässer in den Spreekanal eingeleitet. Allein das größte Überlaufbauwerk misst 1,8 Meter im Durchmesser und ist für ca. 70% der jährlichen Mischwasserbelastungen im Projektgebiet verantwortlich. Diese Mengen kommen nicht aus der unmittelbaren Umgebung des Flusses sondern werden aus dem Bereich südöstlich des Zentrums herangeführt.

Neben den Mischwassereinläufen befinden sich weitere sieben Regenwasserüberläufe im Projektgebiet. Der relevanteste davon sammelt das Regenwasser der Gertraudenbrücke und leitet sie in den Kanal.