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150630_Machbarkeitsstudie Altarm

Der Oberlauf des Spreekanals - ein renaturierter Altarm

Der gesamte Altarmbereich wird in vier Teile gegliedert: ein größerer Park an der Ostspitze, der „Balkon“ am Familienzentrum, das grüne „archäologische Fenster“ und der lineare renaturierte Wasserpark mit durchgängiger Wegeverbindung auf Wasserniveau.

Von der Ostspitze der Fischerinsel bis westlich der Gertraudenbrücke begleitet ein Fußweg auf Wasserniveau die renaturierten Pflanzflächen und lässt diese Teil eines linearen Parkbandes werden. Jeweils an den unterquerten Brücken verbinden neue Treppen die Steganlage mit den auf Straßenniveau verlaufenden Uferwegen.

An drei Stellen werden Verknüpfungsbereiche zur wasserseitigen Wegverbindung geschaffen. Die bereits bestehende Grünfläche an der Ostspitze erfährt eine Aufwertung durch ein neues Wegenetz, Bepflanzung und durch den Bau einer befestigten Plattform mit Rampe, Sitztreppenanlage und Café-Kiosk. Dieser neue Park bildet den Auftakt zum gesamten Flussbadprojekt und ist gleichzeitig Aussichtsplattform und potentieller Ausgangspunkt für eine Brückenanbindung der in naher Zukunft neu geplanten Schleusenanlage. Weiter strömungsabwärts wird das Familienzentrum "Kreativhaus" geöffnet und mit einem eigenen „Balkon“ und Sitztreppenanlage hinunter zum Wasser und zum Steg aufgewertet. Im Bereich des Schulhofs wird ein kleiner Teil der Ufermauer abgetragen und das Gelände dahinter als flache Böschung angezogen. In dieser Topografie ist es ggf. möglich, die gegenwärtig verborgenen Fundamente der historische Stadtmauer sichtbar zu machen und Besucher in die Vergangenheit des Ortes und der Stadt schauen zu lassen.

Die Auslegung des Weges auf Wasserniveau zielt auf Fußgänger, um besondere Nutzungsanforderungen und lange Rampenbauwerke zu vermeiden. Die Steganlage ist konstruktiv aufgeteilt in unterschiedliche Abschnitte. Auf den Vorschüttungen sind konventionelle Steganlagen konzipiert. Schwimmende Anlagen dort, wo aufgrund des engen Querschnitts keine Vorschüttungen möglich sind. Für Fahrradfahrer beidseitig des Spreekanals wird die kritische Unterbrechung des Wegenetzes an der Leipziger Straße durch eine Unterquerung der Gertraudenbrücke und neuer Rampenanlage in westlicher Richtung aufgehoben.

Die bereits bestehenden Unterführungen der neuen Gertraudenbrücke werden durch eine Stegbrücke verbunden und anschließend auch unter der alten Gertraudenbrücke hindurch verlängert. Damit wird eine unterbrechungsfreie Fahrradverbindung hergestellt. Nördlich der Gertraudenbrücken wird der Fahrradweg mit einer Rampe auf Straßenniveau geführt und an die Oberwasserstrasse angeschlossen.

Schnitt an der Grünstraßenbrücke mit Darstellung eines Pockets-Parks © manmadeland 2015
Querschnitt durch den Spreekanal am Spittelmarkt mit Darstellung der Vorschüttungen © manmadeland 2015

Die veränderte hydraulische Betrachtung des Gewässersystems bezüglich der Abflussmengen im Hochwasserfall hat zur Folge, dass der Kanalquerschnitt nicht wesentlich verringert werden darf. Mit Berücksichtigung der gesamten Kanalquerschnitte lassen sich die maximal möglichen Potenzialflächen für eine Renaturierung mittels Vorschüttungen innerhalb des Kanals aufzeigen.

Vorschüttungen bilden den Hauptanteil der Umgestaltung dieses Kanalabschnitts in der gegenwärtigen Bearbeitungen. Renaturierungsmaßnahmen werden ausschließlich über diese bepflanzten Vorschüttungen realisiert, gestützt von Spundwänden. Mit den Vorschüttungen werden Flachwasserareale (ca. -0,6m bis +0,2m über MW) gebildet. Die Ufervorschüttungen sind im Wechselwasserbereich, also im Bereich der Wasserstandsschwankungen geplant, so dass diese Pflanzflächen gelegentlich unter und über Wasser liegen.

Die Vorschüttungsbereiche variieren in den Höhenlagen und erzeugen ein für aquatische Arten sehr vorteilhaften Lebensraum. Zudem ist es mittels „Leitbildkonforme Ersatzstruktur” (Strukturelemente, die gezielt zur Realisierung bestimmter Lebensraumfunktionen vom Menschen in ein Gewässer eingebracht werden) möglich, auf der gegenüberliegenden Uferseite in diesem hoch urbanen Gewässer zusätzliche Rückzugsmöglichkeiten verschiedener Arten zu ermöglichen.

Beispielhaft wären sog. "Fischpavillons" (Eigenentwicklung Martin Halle, umweltbüro essen) und ähnliche künstliche Unterwasserstrukturen, welche zur Zeit im Rahmen von Pilotprojekten für eine „Lebendige Alster“ erprobt werden. Dabei handelt es sich um unter Wasser schwimmende, miteinander verdrahtete Reisig- und Holzbündel, die Schutz für zahlreiche Fischarten bieten.

Lediglich in einem kleinen Teilbereich wird die Ufermauer geöffnet mit der Möglichkeit, die historische Stadtmauer als „archäologisches Fenster“ innerhalb des neu angelegten flachen Böschungsabschnitts sichtbar zu machen.

Die bepflanzten und teilweise leicht unter Wasser, teilweise leicht über dem Wasserspiegel gelegenen Vorschüttungen der Renaturierung im Altarmgebiet werden durchgängig von einer Steganlage erschlossen. Treppen verbinden die Steganlage jeweils an den Brückenunterquerungen mit den Gehwegen auf Straßenniveau. So entsteht ein sehr gut verknüpfter urbaner „Wasserpark“.

Die Dimensionierung der zur Renaturierung hergestellten Vorschüttungen erfolgt unter der Maßgabe den für den Hochwasserabfluss benötigten Kanalquerschnitt keinesfalls zu beeinträchtigen.

Zwei Varianten zur Konstruktion der Vorschüttungen sind untersucht worden. Einmal eine konventionelle geböschte Schüttung und eine andere Variante, in der die Schüttung von einer in die Kanalsohle eingebrachte Spundwand gehalten wird. Die Variante mit der Spundwand hat den Vorteil, dass bei größerer Flachwasserzone als Ort der „Renaturierung“ weniger Kanalquerschnitt blockiert wird. Die Freihaltung des für die Hochwasserableitung notwendigen Kanalquerschnittes erhält auch technische die Möglichkeit den Kanal weiterhin zu Wartungszwecken mit geeigneten Wasserfahrzeugen zu befahren.

Diese Spundwand Variante ist Grundlage der weiteren Planungen. Im Bereich der Tragwerke und Gründungen der bestehenden Brücken werden keine Spundwände bzw Vorschüttungen eingebracht.