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Baden an der Museumsinsel - eine Vision rückt näher

Ulrike von Leszczynski von der dpa über unsere aktuellen Pläne

Berlin (dpa/bb) - Abtauchen an der Museumsinsel: Für die Idee eines Flussbads mitten im historischen Berlin spüren die Initiatoren immer mehr Zuspruch. «Seit der Unterstützung im Abgeordnetenhaus im November ist ein Knoten geplatzt», sagt Flussbad-Sprecherin Barbara Schindler. Der Verein werde ernster genommen. «Die Frage lautet heute nicht mehr, ob oder wann das Flussbad kommt», ergänzt sie. «Sie lautet nun: Wie kommt es?»

Wie es sich im Spreewasser schwimmt, können Neugierige in diesem Jahr am 1. Juli testen. Dann startet der traditionelle Flussbad-Pokal als «Appetithappen» für ein rund 800 Meter langes Sommerbad im Spreekanal. Die Anmeldungen beginnen schon im März. Das Potenzial eines Flussbads lässt sich erahnen, wenn die Schwimmer beim Pokal neben Pergamonmuseum, Altem Museum, Zeughaus und dem wiedererstehenden Stadtschloss abtauchen - ohne Zweifel eine Sommerattraktion für Berliner und Touristen.

1925 schlossen die letzten Berliner Badeanstalten an der Spree, weil der Fluss im Industriezeitalter zur Kloake geworden war. Die Großindustrie in Berlin ist lange Geschichte. Die Vision des Vereins ist es, 100 Jahre später - also im Jahr 2025 - ein Bad im Spreekanal zu eröffnen. Das Abgeordnetenhaus forderte den Senat Ende November mit breiter Mehrheit auf, dieses Projekt zu unterstützen.

«Diese Dynamik war hilfreich für uns», berichtet Schindler. Der Anstoß habe dazu geführt, dass bei allen Verwaltungsfragen ein Miteinander entstanden sei. Die Sprecherin hält einen Stufenplan für realistisch. «Erst wird das Waser sauberer. Und dann kommt die Frage, wie kommen wir da rein.»

Dennoch liegt vor den Bade-Enthusiasten neben der Finanzierungsfrage ein mühsamer Weg. Sie müssen nicht nur bis 2019 wissenschaftlich nachweisen, dass ein ökologischer Pflanzenfilter im Spreekanal funktionieren würde. Vor allem müssen sie mit allen Anrainern sprechen. «Das heißt zu klären, wem welcher Zentimeter im Spreekanal gehört», sagt Schindler. «Das ist auch noch horizontal und vertikal unterschiedlich.»

Auf Anrainer-Treffen habe es aber keinen grundsätzlichen Widerstand gegeben, berichtet Schindler. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz sei gegenüber dem Flussbad-Projekt grundsätzlich positiv eingestellt», bestätigt Stiftungssprecherin Stefanie Heinlein. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass der Unesco-Weltkulturerbestatus der Museumsinsel nicht gefährdet werde. 

«Das will bei uns niemand», betont Schindler. Damit müssen sich die Flussbad-Enthusiasten aber von ihrer charmanten Idee einer großen Freitreppe Richtung Wasser verabschieden. Denn die historische Schinkel-Mauer am Kanal darf nicht angetastet werden. Die Suche nach Alternativen läuft.

Auch die Berliner Wasserbetriebe hat der Verein auf seiner Seite. «Wir finden diese Idee super. Das ist alles nicht unrealistisch», sagt Sprecher Stephan Natz. Bereits heute habe der Spreekanal Badewasserqualität. Einzige Ausnahme: Sturz- und Dauerregen in den Stadtteilen Neukölln, Kreuzberg und Friedrichshain. Dann schwappen die Mischwasserkanäle in Berlin-Mitte über und die Drecksbrühe läuft auch in die Spreearme. Damit wird Baden zur Gesundheitsgefahr.

Noch mehr teuren unterirdischen Stauraum wollen die Wasserbetreibe am Spreekanal nicht bauen. Aber hauseigene Ingenieure unterstützten den Verein, sagt Natz. Da gehe es zum Beispiel um die Filteranlagen. Grundsätzlich hält Natz es für unmöglich, den Spreekanal nach extremem Regen vor Dreckswasser zu schützen. «Aber das macht doch nichts. Dann ist das Baden dort eben an wenigen Tagen verboten - na und?» Was zähle, sei doch der ganze Sommer und vor allem die Wiederentdeckung des Flusses und seiner Ufer. Auch für die Enthusiasten im Verein geht es nicht allein um Abkühlung in der Badesaison, sondern um ein lebenswertes Stadtzentrum mit ökologischem Gewinn.

Im vergangenen Sommer ging das Probeschwimmen im Spreekanal buchstäblich baden - der Jahrhundertregen Ende Juni verursachte zu dreckiges Wasser. Dieses Jahr hat der Verein an eine Alternative gedacht: Wenn es am 1. Juli nicht klappt, ist der 9. September schon reserviert.