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Denkmaldokumentation Logbuch Projekbeitrag

Spreekanal Berlin Mitte - Recherche zur Dokumentation des Denkmalbestandes

Anfang 2016 haben wir eine Denkmalbestandsaufnahme des Projektgebiets beauftragt. Das Ergebnis zeigen wir hier und in den kommenden Wochen immer wieder in Ausschnitten.

Vorwort

In einem öffentlichen Vergabeverfahen haben wir das Berliner Planungsbüro ProDenkmal beauftragt, eine Denkmaldokumentation für den gesamten Projektbereich zu erstelllen, von der Inselspitze am historischen Hafen bis zur Inselspitze am Bodemuseum. Die Denkmaldokumentation dient als Grundlage für eine Bewertung zur Denkmalverträglichkeit des Projektes. Die Dokumentation ist sehr umfassend und hat viele neue (historische) Informationen zu Tage gebracht. Einen Teil davon können wir hier veröffentlichen. Die Quellenangaben für Bilder und Dokumente stehen jeweils im Text, der aus den Unterlagen des abgeschlossenen Auftrags stammt.

Hintergrundbild: Historische Badeanstalt im Mühlengraben. Hinter der hölzernen Fassade befanden sich die Abgänge zu den Schwimmbecken der Herren, dahinter befand sich - räumlich getrennt davon - das Becken der Damen.

Einleitung

Lageplan des Projektgebiets mit Einteilung der Abschnitte für die Dokumentation (cc Flussbad Berlin e.V., 2015)

Der Berliner Spreekanal, ein 1,8 Kilometer langer, von Ufermauern eingefasster und begradigter Flussarm der Hauptspree, war bis zum Umbau der Spree zum Großschifffahrtsweg Ende des 19. Jahrhunderts Berlins wichtigster Wasserweg. Für die Entwicklung der mittelalterlichen Doppelstadt Berlin-Kölln hatte dieser Wasserlauf eine enorme Bedeutung: er war lebensnotweniger Handelsweg, Energielieferant (Mühlen) und diente als Stadtgraben vor der mittelalterlichen Stadtmauer der Verteidigung. Diese Bedeutung ist ihm heute, nach den Kriegszerstörungen und dem damit verbundenen weitreichenden Verlust der historischen Uferbebauung, kaum noch anzusehen. Mit der Neuorganisierung der Innenstadt zu DDR-Zeiten hat sich die Struktur der angrenzenden Bebauung erheblich geändert, sodass heute nur noch die Brücken durch ihre Namen Hinweise auf ehemals bedeutsame Plätze und Straßen geben. Seit 1913 nicht mehr der Schifffahrt dienend, ist er seit 2005 noch nicht einmal für kleine Sportboote passierbar. Nichts erinnert heute daran, dass dieser Kanal einst die quirlige Lebensader Berlins war.

Umso wichtiger ist es, die heute noch vorhandenen historischen Zeugnisse, die Brücken, Uferbefestigungen mit Treppen und Geländern, Uferwege und Plätze zu dokumentieren und ihre geschichtliche Entwicklung aufzuzeigen. In dieser Dokumentation wird die Entwicklungs- und Baugeschichte der Spree und des Spreekanals im Abschnitt zwischen Monbijoubrücke und Inselbrücke in Bezug auf den Verlauf des Kanals und seine baulichen Elemente behandelt. Es wurden schriftliche (Literatur, Archivquellen), bildliche (Zeichnungen, Gemälde, Fotos) und kartografische Quellen ausgewertet.

Grundlagen – Quellenlage

Spreeinsel 1652 mit Darstellung aller Spreearme (cc realities:united, Flussbad Berlin, 2015)

Die Geschichte der Entwicklung des märkischen Wasserstraßennetzes (siehe z.B. Uhlemann 1994 und Natzschka 1971) ist gut belegt, jedoch wird die bauliche Entwicklung des Spreekanals nur am Rande beschrieben. Der Verlauf des Kanals, der sich durch die Jahrhunderte infolge von Umbaumaßnahmen immer wieder änderte, konnte anhand des historischen Kartenmaterials aus verschiedenen Archiven gut ermittelt werden (vor allem Zentral- und Landesbibliothek sowie Überlagerungen des Geoportals Berlin, siehe Anlage 6.4).

Viele Elemente des Spreekanals wurden bisher noch nicht wissenschaftlich untersucht. Im Gegensatz zu den Brücken, die in der Literatur ausführlich vertreten sind (siehe Literaturverzeichnis) und auch unter Denkmalschutz stehen, waren die in Material und Bauweise sehr unterschiedlichen Uferbefestigungen bislang nicht Thema der Forschung. Wichtige Quelle für die historische Gestalt des Spreekanals vor dem Zweiten Weltkrieg waren die Beschreibungen der Stadt aus dem 18. und 19. Jahrhundert, so z.B. Friedrich Nicolai von 1786 und in "Berlin und seine Bauten" in den Ausgaben von 1877 und 1896. Für die Gestalt der Ufer waren die historischen Bauzeitschriften eine wichtige Quelle, denn hier wurden die um die Jahrhundertwende ausgeführten Uferbefestigungen sowie die späteren Erneuerungen beschrieben (z. B. Deutsche Bauzeitung 20 (1886), Zeitschrift für Bauwesen 46 (1896), Berliner Architekturwelt 7 (1905), 1904 und Die Bautechnik 1938). Des Weiteren waren die architektonischen Entwürfe Karl Friedrich Schinkels eine gute Quelle für die Gestaltung des oberen Kanalabschnittes zwischen Schloßbrücke und Monbijoubrücke. Die Einordnung des vorhandenen Bestandes und Ermittlung des historischen Zustandes erfolgte vor allem anhand der zahlreichen vorhandenen historischen Fotografien (vor allem Landesarchiv, Bundesarchiv und Marburger Index).

Im Geheimen Staatsarchiv befinden sich die Akten aus dem Oberbaudepartement, die vor allem die Baumaßnahmen des 18. und 19. Jahrhunderts dokumentieren. Sie betreffen überwiegend Reparaturarbeiten an den damals noch aus Holz bestehenden Spreekanalbrücken und Uferverschälungen. Akten und Pläne zu jüngeren Umbaumaßnahmen an den Uferbefestigungen und den Uferwegen sind im Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt zu finden sowie in verschiedenen Gutachten (z.B. Alkewitz/Sadina 1996, Eckert 1996).

Auf der Basis der ausgewerteten Quellen war es möglich, die geschichtliche Entwicklung des Spreekanals sowie die baulichen Veränderungen der Brücken, Uferbefestigungen, Uferwege usw. aufzuzeigen und somit eine Grundlage für die in Stufe 2 vorgesehene Erfassung und Einordnung des Bestandes und dessen denkmalpflegerische Beurteilung vorzulegen. Im Rahmen der zweiten Stufe können dann vertiefende punktuelle Untersuchungen in denkmalpflegerisch besonders relevanten Bereichen erfolgen, um eventuell noch offene Fragen zu beantworten, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht abzusehen sind.

Die Geschichte des Spreekanals

Seit der Gründung von Berlin und Kölln auf Talsandinseln in der Spree spielt der Fluss für die ehemalige Doppelstadt eine wichtige Rolle. Die mittelalterlichen Handelsstädte Berlin und Kölln verdanken ihrer Lage am Wasser Sicherheit und wirtschaftliches Aufblühen und ihre bauliche und historische Entwicklung sind eng mit der Spree verbunden. Die Spree war Verkehrsweg, Warenumschlagplatz und Energielieferant. An den Ufern wurde Wäsche gewaschen, in den Flussbadeanstalten gebadet. Das Zentrum der Spreeinsel gehört als ehemaliger herrschaftlicher Hoheitsbereich zu den bedeutenden Schauplätzen deutscher Geschichte. Hier befand sich fast 500 Jahre lang das Berliner Stadtschloß, die Residenz der brandenburgischen Kurfürsten, der preußischen Könige und der deutschen Kaiser.

Die Spreeinsel, umflossen vom schiffbaren Spreearm im Osten und dem schmalen Spreekanal im Westen und Süden ist nicht nur das eigentliche historische Herz der heutigen Großstadt, sondern auch der Ort, an dem die „S d m W “ immer noch am besten erlebbar ist. Hier sind die ältesten Spreeübergänge zu finden, der Mühlendamm und die Lange Brücke, aber auch wertvolle historische Zeugnisse, wie die Schloßbrücke, die Jungfernbrücke und die Gertraudenbrücke. Bis heute zeigt sich hier die wechselhafte Geschichte der Stadt. An der nördlichen Spitze der Spreeinsel wird das Thema Berlin am Wasser mit dem quasi aus dem Wasser wachsenden Bodemuseum und der sowohl die Spree als auch den Spreekanal überquerenden Doppelbrücke geradezu zelebriert. An der Westseite der Insel, wo der Spreekanal den Namen Kupfergraben trägt, beherrscht ebenfalls direkt am Wasser stehenden Pergamonmuseum die Wasserseite. Daran anschließend, zwischen Eiserner Brücke und Schloßbrücke, öffnet sich der Lustgarten zum Kanal und präsentiert das berühmte Panorama des ehemaligen Residenzbereichs mit dem Sockel des Nationaldenkmals auf der ehemaligen Schlossfreiheit und den Bauten entlang der Friedrichsgracht bis zur Gertraudenrücke. Die kleinteilige Bebauung der Friedrichsgracht der Vorkriegszeit ist ersetzt durch den Garten des Staatsratsgebäudes und ein langgezogenes Appartementgebäude der DDR-Zeit. Nur die historischen Brücken, Jungfern- und Gertraudenbrücke, die hier den Spreekanal überspannen, das Pfarrhaus der Petrikirche und ein kleiner Wohn- und Geschäftskomplex an der Gertraudenbrücke, erinnern noch an die Situation vor dem Zweiten Weltkrieg. Auf der Fischerinsel bestimmen heute Wohnhochhäuser der 1970er Jahre das Bild und bilden ein Kontrast zur kleinteiligen, noch weitgehend aus dem 19. Jahrhundert stammenden Bebauung von Neukölln am Wasser gegenüber. Im Südosten, am Zusammenfluss von Spree und Spreekanal, weitet sich die Wasserfläche, hier liegt zwischen Mühlendammschleuse und Märkischem Ufer der sogenannte „Historische Hafen“.

Ein Kanal mit vielen Namen – zu den historischen Bezeichnungen des Spreekanals und seiner Ufer

Berlin und Köln gegen die Mitte des 13. Jahrhunderts. (Nach Adler.) (Fig.4); Berlin und Köln in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. (Nach Fidicin.) (Fig.5), Quelle: BusB 1877

Der Spreekanal mit einer Länge von zwei Kilometern gehört zur Bundeswasserstraße Spree-Oder-Wasserstraße, für die das Wasser- und Schifffahrtsamt Berlin zuständig ist. Der Wasserlauf wird heute als „Spreekanal“ bezeichnet , er hatte jedoch im Laufe seiner Geschichte unterschiedliche Namen. In der Literatur wird er auch „linker Spreearm“ oder „westlicher Spreearm“ genannt (siehe z.B. BauDDR 1983). So besteht grundsätzlich die Frage, ob es sich um einen natürlichen Flussarm handelt, der zu einem schiffbaren Kanal umgebaut wurde, oder ob er, wie von Natzschka vermutet, erst im Zuge der Herstellung des Mühlendamms im Spreehauptarm als Umflutgraben eingerichtet wurde, indem man bestehenden Pfuhlen in der Gegend des heutigen Spittelmarktes und des Werders verwendete (siehe Natzschka 1971, S. 15).

Es ist nachdavon auszugehen, dass sich ungefähr an der Stelle des heutigen Spreekanals immer schon ein Seitenarm der Spree befunden hat, dessen exakter Verlauf jedoch nicht geklärt werden kann. Vermutlich sah dieser Spreearm ähnlich aus, wie er auf einer Rekonstruktionszeichnung von 1877 dargestellt wird (siehe Abb. 1250_1). Hierzu heißt es 1877 in Berlin und seine Bauten:

„Die Spree durchzieht das Thal in mannigfaltigen, natürlichen und künstlichen Verzweigungen. Der ursprüngliche Flusslauf theilt sich in zwei Arme, welche die Insel Köln umschliessen; beide Arme sind seit alter Zeit zum Zwecke von Mühlen-Anlagen gestaut und nur der südwestliche derselben ist mittels einer Schleuse für die Schiffahrt frei gehalten.“ (siehe BuSB 1877, S. 3)

Da im 13. Jahrhundert im Hauptspreearm der Mühlendamm gebaut worden war, war dort die Schifffahrt nicht mehr möglich. Um den Nebenarm für die Schifffahrt nutzbar zu machen, ist sicherlich damals schon eine Veränderung erfolgt, die man als Kanalisierung bezeichnen könnte. Gleichzeitig diente der Wasserlauf damals auch der Verteidigung: Die mittelalterliche Stadtmauer verlief ihm folgend auf der Uferseite Köllns und nutzte den Wasserlauf somit als Stadtgraben - und so wurde er von da an auch bezeichnet: „Köllnischer Stadtgraben“.

Auf dem frühesten überlieferten Stadtplan Berlins von Memhardt aus dem Jahre 1652 ist der Kanal im oberen Lauf nicht näher bezeichnet. Im Bereich des heutigen Kupfergrabens jedoch wird er „neuer Ausfluß der Spree“ genannt, was darauf hindeutet, dass der Wasserlauf damals zu einem begradigten, der Schifffahrt dienenden Kanal umgebaut worden war. Wir wissen, dass Kurfürst Friedrich II. 1442 zwei Schleusenanlagen parallel zum Mühlengraben anlegen ließ und den Graben in südlicher Richtung zu einem schiffbaren Kanal verlängert hatte. Nicht umsonst taucht in einem kurfürstlichen Erlass von 1607 die Bezeichnung „Schiffsgraben“ auf.

Neue Begriffe tauchen im 18. Jahrhundert auf. Im Jahre 1786 beschreibt Friedrich Nicolai den Kanal folgendermaßen:

„ Die Friedrichsgracht ist ein Arm der Spree, dessen sumpfige Teile vormals durch verschiedene Graben vertiefet und fließend gemacht worden. Sie kommt unter der Inselbrücke aus der Spree, verlieret schon an der Gertraudenbrücke ihren Namen, heißt bis an die Schleuse der Schleusengraben, hat weiter hin zwischen dem Zeughause und dem Schlosse keinen Namen als den allgemeinen der Spree, heißt jenseits der Kupfergrabenbrücke der Kupfergraben, fließt endlich unter der kleinen Weidendammbrücke wieder in die Spree. Der Mühlengraben ist ebenfalls ein Arm der Spree, der gerade gemacht, vertieft und verengt worden. Er gehet unter der Jungfernbrücke aus dem Schleusengraben hinter den Häusern auf der linken Seite der Brüderstraße und fällt unter den Werderschen Mühlen wieder in die Fortsetzung dieses Grabens.“ (siehe Nicolai 1786, S. 50).

„Bei der genannten Inselbrücke fließt aus der Spree der Friedrichsgraben (oder die Friedrichsgracht), welcher von der Gertraudenbrücke an bis an die Schleusenbrücke der Schleusengraben heißt und, unter der Benennung der Neuen Ausflusses der Spree oder des Kupfergrabens, bei der gedachten kleinen Weidendammsbrücke wieder in die Spree fließt. Dieser Graben umschränkt Altkölln auch nach den andern Seiten, wo es nach Südosten an Neukölln, nach Südwesten an den Friedrichswerder und ganz wenig nach Westen an das äußere Ende der Dorotheenstadt an den Weidendamm grenzt.“ (siehe Nicolai 1786, S. 103)

„Ist jetzt die Gegend zwischen der Friedrichsgracht und dem ehemaligen Festungsgraben von der Blocksbrücke bis zum Spittelmarkte. Ein Teil der Spree und die Friedrichsgracht trennen Neukölln von Berlin und von Altkölln, der Festungsgraben trennt es von der Köpenicker Vorstadt und der Friedrichsstadt, und auf dem Spittelmarkte stößt es mit dem Friedrichswerder zusammen. Neukölln und der Friedrichswerder zusammengenommen machen eine vollkommene Insel aus. Die Kommunikation über das Wasser ist folgende: Mit Berlin hängt Neukölln durch die Blocksbrücke, mit Kölln durch die Roßstraßen-, Grünstraßen- und Gertraudenbrücke und mit der Köllnischen oder Köpenicker Vorstadt durch die Köpenicker und Neue Grünstraßen- oder Laufbrücke zusammen. In dieser Gegend war vor diesem ein schmaler Weder zwischen zween Ausflüssen der Spree. Bei der Befestigung wurden die Ausflüsse abgeändert, darauf die Friedrichsgracht so wie jetzt geleitet und der Festungsgraben, dem Gange der Festungswerke zufolge, weiter nach der Köllnischen Vorstadt zu gezogen. Jedoch waren an dieser Stelle nur wenig Häuser und Gärten, eine Kalk- und eine Ziegelscheune und die Salzhäuser nebst einer kurfürstlichen Heubinderei, bis 1681 der Kurfürst befahl, hier mehr Häuser zu bauen, welches aber nur langsam geschah. Als 1737 die Festungswerke abgetragen wurden, ward der Festungsgraben wieder enger gemacht und viele neue Häuser und Gärten gebaut, auch ward ganz Neukölln 1738 und 1739 auf königliche Kosten gepflastert.“ (siehe Nicolai 1786, S. 142, 143)

.Als „Friedrichsgracht“ oder „Friedrichsgaben“ bezeichnet Nicolai den gesamten Kanal, der unterteilt wird in verschiedene Abschnitte:

  • „Schleusengraben“ nennt er den Teil von der Gertraudenbrücke bis zur Schleusenbücke.
  • Zwischen dem Schloss und dem Zeughaus hat der Kanal keinen Namen, er wird lediglich allgemein Spree genannt.
  • „Kupfergraben“ nennt er den gleichen Abschnitt, wie heute, nämlich der ca. 400m lange Teil entlang der heutigen Museumsinsel von der Eisernen Brücke bis zur Einmündung in den rechten Spreearm.
  • Der „Mühlengraben“ wird beschrieben als ein Arm der Spree, der kanalisiert (vertieft und verengt) wurde, und unter der Jungfernbrücke vom Schleusengraben abzweigt und unter den Werderschen Mühlen wieder in den Spreekanal mündete.

In dieser Dokumentation wurden die Abschnitte wie folgt benannt (siehe auch Anlage 6.1 Struktur und Bezeichnungen Spreekanal):

  • „Friedrichsgracht“ entsprechend der hier ursprünglich befindlichen barocken Uferbebauung, von der Inselbrücke bis Gertraudenbrücke.
  • "Schleusengraben“ wie auch historisch bezeichnet von der Gertraudenbrücke bis zur Schloßbrücke.
  • „Kupfergraben“ entlang der heutigen Museumsinsel von der Eisernen Brücke bis zur Einmündung in den rechten Spreearm.

Baden in der Spree – historische Flussbäder in Spree und Spreekanal

Foto 01_005: Spree, Monbijoubrücke, Bode-Museum, Ablauf Kupfergraben, 1920 oder vorher

Das Baden in der Spree hat eine lange Tradition. Im 19. Jahrhundert hatte man keine Bedenken die längst zu Abwasservorflutern gewordenen Wasserläufe zum Baden zu gebrauchen. 1850 wurde das erste auf städtische Kosten errichtete Flussbad in Betrieb genommen, eine Badeanstalt ausschließlich für Männer. Es handelte sich um einen Badeprahm, also ein Badeschiff, das in der Spree in der Nähe der Waisenbrücke aufgestellt worden war um in erster Linie der ärmeren Bevölkerung eine Bademöglichkeit zu geben. Dieses Bad wurde bis 1891 an dieser Stelle betrieben. 1892 wurde es durch den Neubau der Waisenbrücke an eine Stelle oberhalb der Inselbrücke verlegt, seit 1894 war es auch für Frauen zugänglich. 1896 wurde das Bad aufgrund eines Gerichtsurteils zugunsten der Eigentümer der Inselgrundstücke, die gegen das Bad geklagt hatten, auf das linke Spreeufer unterhalb der Ebertbrücke verlegt (Foto 01_005). Dieses wurde seit 1896 als „Flussbadeanstalt unterhalb der Ebertsbrücke“ in den Magistratsberichten geführt. Weitere innerstädtische Flussbadeanstalten im Spreehauptarm waren z.B. an der Burgstraße (angelegt 1855, 1888 mit der Spreeregulierung beseitigt), im nördlichen Hafen des Berlin-Spandauer Schifffahrtskanals an der Fennstraße, unterhalb der Waisenbrücke, unterhalb der Schillingbrücke, oberhalb der Schillingbrücke, direkt unter der Schillingbrücke (1887, mit Gasbeleuchtung), unterhalb der Lessingbrücke und an der Moabiter Brücke. 1877 werden die Flussbadeanstalten in Berlin und seine Bauten folgendermaßen beschrieben:

„Dass die Flussbadeanstalten Berlins wenig entwickelt sind, liegt vorzugsweise an den Wasserverhältnissen der Spree, die innerhalb und unterhalb der Stadt durch die Zuflüsse aus derselben derart verunreinigt ist, dass die Anlage von Badeanstalten nur noch im oberen Laufe des Flusses thunlich ist. Zum Gebrauch des ärmeren Theils der Bevölkerung werden auf städtische Kosten zur Zeit 7 sogen. „Volksbäder“ unterhalten. Neben diesen und einzelnen kleinen Privatanstalten sind für das besser situierte Publikum, besonders die Schuljugend, 3 grössere Fluss-Bade-Anstalten vorhanden: Das Pochhammer ́sche Bad an der Stralauer Brücke, in dem auch Frauen und Kinder baden können; die nur für Schwimmer bestimmte, von dem verstorbenen General v. Pfuel gegründete Pfuel ́sche Schwimmanstalt, Köpenickerstraße 12, und die Sachse ́sche Badeanstalt an der Einmündung des Landwehrkanals, mit großem Schwimmbassin, Wellen- und Douchebädern.“ (siehe BusB 1877, S. 367)

Auch im Spreekanal gab es Flussbäder:

  • 1857: Badeprahm an der Schleusenbrücke, beseitigt im Zusammenhang mit dem Abriss der Schloßfreiheit für das Nationaldenkmal.
  • 1885: neue Badeanstalt an der Schleusenbrücke: Männerbadeanstalt mit Schwimmbassin. Sie unterschied sich von den älteren, auf Prahmen schwimmenden Flussbadeanstalten dadurch, dass ihre Bassins doppelt so groß waren. Sie besaß 17 Dauerkabinen (verschließbare Zellen) als Umkleiden, 58 Kleiderspinde, ein Sprungbrett und einen Duschraum sowie Aborte. 1893 beseitigt, um Platz für das Nationaldenkmal zu schaffen.
  • 1890 an der kleinen Jungfernbücke im Mühlengraben, damals als schönste Flussbadeanstalt Berlins bezeichnet, Anstaltsgebäude aus Eisenfachwerk mit zwei Türmchen, 2 Bassins, Umkleidekabinen für 120 Personen, Duschen.

Am 20.5.1925 beschloss der Magistrat von Berlin die Schließung aller städtischen Flussbäder im Gebiet von Alt-Berlin aus hygienischen Gründen (siehe Bohm 1961).