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Natur und Umwelt

In der Spree kann man eigentlich baden - sie ist sauber genug bis ungeklärte Überläufe aus der Berliner Kanalisation das Wasser gesundheitsgefährdend verunreinigen.

In der Regel ist das in Berlin ankommende Spreewasser qualitativ trotz einiger Belastungen aus der Landwirtschaft und dem Tagebau so gut, dass man darin – auch ohne eine Wasserfilterung – bedenkenlos schwimmen kann. Die entscheidende Verunreinigung erfolgt erst in Berlin. Denn sowohl die Spree als auch der Spreekanal werden durch Überläufe aus der Berliner Mischwasserkanalisation belastet – mit gravierenden Folgen für die Wasserqualität und das ökologische Gleichgewicht des Flusses. Etwa fünfzehn bis fünfundzwanzig Mal pro Jahr übersteigt das in die Kanalisation eingeleitete Regenwasser deren Fassungsvermögen, so dass ihr Inhalt mit allen Abwässern, d.h. mit Fäkalien, Spülrückständen und Hygieneartikeln, ungeklärt in den Fluss "überläuft". Der Fluss ist dann so stark verschmutzt, dass der direkte Wasserkontakt für den Menschen gravierende gesundheitliche Folgen haben kann. Im Extremfall kann es zu einem Fischsterben kommen. Es dauert dann mehrere Tage, bis sich der Fluss von dieser massiven Verschmutzung erholt hat. Diese Einleitungen werden durch einen sogenannten Pflanzenfilter, der Teil des Flussbad Projektes ist, effektiv gereinigt, so dass in dem gefilterten Wasser dauerhaft gefahrlos geschwommen und gebadet werden kann.

Schematischer Isometrieschnitt durch den Pflanzen-Kies-filter, cc reaities:united 2015

Das dem Pflanzenfilter zu Grunde liegende Prinzip der Langsamsandfiltration stellt eine traditionelle und erprobte Art der Wasserfilterung dar und wird weltweit erfolgreich eingesetzt, so zum Beispiel bei Wassergewinnungsanlagen entlang von Fließgewässern (Uferfiltrat) oder auch beim Bau von Naturschwimmbädern. Neu ist allerdings der Ansatz, einen ganzen Fluss auf diese Art zu reinigen.
Der Filter besteht im Wesentlichen aus einer in den Fluss eingebrachte Pflanzen-bestandenen Kiespackung, durch die das Flusswasser strömt und bei dieser Passage von Mikroorganismen, die sich in den Zwischenräumen der Kieskörner ansiedeln, natürlich gereinigt wird. Die Bepflanzung durch – in der Regel – Schilfpflanzen, dient der Sauerstoffversorgung der Mikroorganismen sowie der ständigen Bewegung des Filtermaterials, um dessen Zusetzen durch Schlick zu verhindern.

Zusätzlich zur Filterung sollen die Einleitungen von ungeklärten Abwässern in den Spreekanal weitgehend unterbunden werden. Für den Bereich des Kupfergrabens kann dies als Vorabmaßnahme innerhalb der generellen Bemühungen des Landes Berlin bezüglich der Mischabwasserthematik verstanden werden, d.h., es handelt sich um eine Maßnahme, die früher oder später vom Land sowieso getätigt werden muss. Die Vermittlung des Zusammenhangs von umweltbezogenen Investitionen in die Modernisierung der (Abwasser-)Infrastruktur und der daraus resultierenden gesteigerten Umwelt- und Lebensqualität der Stadt, ist ebenfalls Teil des Projekts und soll direkt erfahrbar gemacht werden.

Das Projekt wird die gegenwärtige Charakteristik des Kanals als einen konstant durchströmten Flussarm und Teil des Gesamtsystems der Spree erhalten. Im Bereich der Museumsinsel soll auch die allgemeine Qualität des Wasserlaufs verbessert werden. Nach den Vorgaben der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (EWRR) ist das Land Berlin verpflichtet, in den nächsten Jahren Maßnahmen zur Verbesserung der ökologischen Strukturqualität der Spree zu ergreifen. Speziell in Bezug auf die geplante Unterwassertopographie entlang der Fischerinsel trägt das Projekt zur Umsetzung dieser Vorgaben bei. So soll der Fluss zwischen der Inselbrücke und der Gertraudenbrücke in einen ökologischen Regenerationsraum für Flora und Fauna umgestaltet werden. In der über mehrere Kilometer im Innenstadtbereich kanalisierten Spree entsteht so ein "ökologischer Trittstein".