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FAQ - Frequenty asked questions

Häufig wiederkehrende Fragen beantworten wir hier. Dabei haben wir Themenkomplexe gruppiert, die sich im Laufe der Zeit erweitern können. Haben Sie eine Frage, die hier nicht beantwortet ist, dann melden Sie sich bitte bei uns.

1. ALLGEMEINES ZUM PROJEKT FLUSS BAD BERLIN

1.1. Wie ist FLUSS BAD BERLIN entstanden?
Die Projektidee wurde 1997 von den Künstlern und Architekten Jan Edler und Tim Edler (realities:united, studio for art and architecture) entwickelt und 1998 erstmalig veröffentlicht. Es folgten zahlreiche Veröffentlichungen, mangels damaliger Realisierungsperspektiven verschwand die Projektidee zunächst in der Schublade der Autoren. Erst als die Edlers für den Entwurf des FLUSS BAD BERLIN-Konzepts 2011 und 2012 mit dem Lafarge Holcim Award, einem der weltweit wichtigsten Preise für nachhaltige Stadtentwicklungs- und Architekturprojekte, ausgezeichnet wurden, gründeten sie 2012 mit dreizehn weiteren FLUSS BAD BERLIN Enthusiast*innen den gleichnamigen gemeinnützigen Verein. Damit wurde der Grundstein für eine breite zivilgesellschaftliche Initiative gelegt: Der Verein zählt inzwischen über 500 Mitglieder und wird von vielen Unterstützer*innen sowie von der Medienöffentlichkeit interessiert begleitet.

1.2. Was ist der aktuelle Stand?
Im Dezember 2019 beschloss der Berliner Senat, den Spreekanal und sein Umfeld zum „Stadtumbaugebiet“ zu erklären [siehe: Festlegung des Stadtumbaugebiets https://www.parlament-berlin.de/ados/18/IIIPlen/vorgang/d18-2386.pdf], um eine Realisierung des Stadtentwicklungsprojekts zu ermöglichen. Das neue Stadtumbaugebiet „Umfeld Spreekanal“ umfasst das gesamte Projektgebiet des FLUSS BAD BERLIN zwischen Fischerinsel und Monbijoubrücke.
Maßgebliche Grundlage für den Senatsbeschluss war das städtebauliche Konzept für das FLUSS BAD BERLIN [siehe: http://www.flussbad-berlin.de/-/191025_logbuch_stadtebauliche_studie-als-dokument], welches zwischen 2014 und 2019 vom gemeinnützigen Verein im Rahmen einer Förderung im Programm „Nationale Projekte des Städtebaus“ und in enger Zusammenarbeit mit der Senatsverwaltung Stadtentwicklung und Wohnen erstellt wurde.
Mit der Ausweisung des Stadtumbaugebiets wird die Finanzierung für die Planung und Umsetzung von Maßnahmen ermöglicht, mit denen unter weiterer Beteiligung und Mitwirkung der Öffentlichkeit neue, attraktive Stadträume für die breite Bevölkerung entlang des Spreekanals geschaffen werden sollen. Die zahlreichen, bereits laufenden Planungsverfahren im Gebiet, welche das Projekt FLUSS BAD BERLIN räumlich, funktional oder inhaltlich berühren, sollen dabei einbezogen und koordiniert werden. Beschlossen wurde auch der Bau der ersten großzügigen Ufertreppe an der Schlossfreiheit als hochwertiger Aufenthaltsort am Wasser und als erster Wasserzugang zum Spreekanal, der zukünftig zum Schwimmen dienen wird. Die Fertigstellung der Freitreppe am sonnigen Südwestufer des Kanals vor dem Hauptportal des Humboldt Forums ist für das Jahr 2023 geplant [siehe 1.3.]. Zur Austragung der Special Olympics 2023 in Berlin gäbe es somit auch einen barrierefreien Einstieg für die Athlet*innen in den Spreekanal, der als mögliche Wettkampfstrecke für die Austragung der internationalen Wassersportwettkämpfe vorgesehen ist.

1.3. Was sind die nächsten Schritte?
Derzeit laufen die Vorbereitungen, um das 2019 vorgelegte städtebauliche Konzept für das FLUSS BAD BERLIN in das notwendige ordentliche Planungs- und Genehmigungsverfahren und schließlich in die Realisierung zu überführen. Dies geschieht unter Einbeziehung des informellen Beteiligungsverfahren zum städtebaulichen Konzept, an welchem sich 22 relevante Behörden, Institutionen und Anrainer im Frühjahr 2019 beteiligt hatten.
Den rechtlichen Rahmen für die weitere Planung bietet das Ende 2019 vom Berliner Senat ausgewiesene „Stadtumbaugebiet“ [siehe 1.2.] für den Spreekanal und sein Umfeld. Dieser Beschluss ermöglicht die Finanzierung der Vorbereitung und der Umsetzung von Maßnahmen zur städtebaulichen Aufwertung.
Als erste Maßnahme im Stadtumbaugebiet wird eine Freitreppe als Aufenthaltsort und Wasserzugang an der Schlossfreiheit vor dem Humboldt Forum errichtet werden. Planung und Bau dieser Treppenanlage erfolgen über Fördermittel aus dem Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus 2018/2019“. Die Treppenanlage soll bis 2023 fertig gestellt werden [siehe 1.2.].
Der Verein begleitet die Planungs- und Baumaßnahmen der öffentlichen Hand, entwickelt alle (neuen) relevanten Aspekte weiter, informiert die Zivilgesellschaft über den Projektstand und wirbt für Unterstützung und Partizipation unter den Berliner*innen [siehe 1.1.].
Zu den laufenden Projekten zählt der FLUSS BAD FILTER [siehe 6.], einer wissenschaftlich betreuten Pilotanlage zur natürlichen Reinigung des Wassers im Spreekanal. Parallel arbeitet unser Kooperationspartner Kompetenzzentrum Wasser an einer wissenschaftlichen Studie zur Evaluierung der Spreewasserqualität in Echtzeit. Ziel ist es, die Voraussetzungen zu schaffen, dass der Spreekanal als Badegewässer ausgewiesen und durch zuverlässige Verfahren der Prognose zur Wasserqualität ein temporärer Badebetrieb ermöglicht werden kann [siehe 6.1.].

1.4. Was kostet das Fluss Bad?
Basierend auf der 2019 vorgelegten vertiefenden Konzeption für das FLUSS BAD BERLIN wurden die Brutto-Gesamtkosten für Planung und Realisierung mit insgesamt 68,6 Millionen Euro berechnet. Die Ermittlung der Kosten erfolgte durch das auf Wasserbauplanung spezialisierte Ingenieurbüro Inros Lackner. Es gehört zur Komplexität des Projektes, dass die Abgrenzung der darin versammelten Maßnahmen gegenüber allgemeinen, regulären, äußeren Investitionen, z.B. gegenüber den routinemäßig, notwendigen Aufwendungen in die Abwasserinfrastruktur, nicht klar und eindeutig dem Projekt zuzuordnen sind. So sind in der errechneten Gesamtsumme auch die Kosten für den Ersatzneubau des 1938 erbauten Wehrs am Auswärtigen Amt und für ein Bewirtschaftungsbauwerk in einem Regenüberlaufkanal enthalten. Diese beiden Investitionen würden mittelfristig auch ohne eine Realisierung des Projektes notwendig werden. Ebenso in den Gesamtkosten nicht enthalten ist der eventuelle Kaufpreis für den Erwerb des Spreekanals durch das Land Berlin vom Bund. Denn einerseits ist unklar, ob mit der Realisierung von FLUSS BAD BERLIN auch ein Eigentumsübergang erfolgen muss; andererseits, wenn dem so sei und wenn es zu einer Übertragung von Eigentumsrechten kommt, in welche Richtung mit einem Geldfluss gerechnet werden muss.

2. Stadt und Gesellschaft

2.1. Warum liegt FLUSS BAD BERLIN in Berlins Mitte, direkt an der Museumsinsel?
Die Verortung von FLUSS BAD BERLIN im historischen und kulturellen Zentrum der Stadt ist bewusst gewählt und von hohem symbolischem Wert: Sie demonstriert die Wertschätzung natürlicher Ressourcen und die Hinwendung der (Stadt-)Gesellschaft zum Wasser. Das Projekt FLUSS BAD BERLIN gibt dem Leitbild der nachhaltigen Stadtentwicklung einen sichtbaren Ausdruck.
Die Bauten und die Sammlungen der Museumsinsel sind ein Ensemble, dessen Konzeption auf die Zeit der Aufklärung und der Französischen Revolution zurückgeht Den aufklärerischen Trias - Freiheit, Gleichheit, Geschwisterlichkeit - ergänzt das Projekt FLUSS BAD BERLIN um den Wert der Nachhaltigkeit, also dem behutsamen Umgang mit Ressourcen. Denn FLUSS BAD BERLIN ist die Umwandlung, Reinigung und Aktivierung des bisher ungenutzten Spreekanals inmitten des historischen Zentrums sowie eine damit einhergehende Aufwertung der angrenzenden Stadträume. Im Fokus stehen die Wiederbelebung und die Öffnung bereits vorhandener, aber bisher ungenutzter natürlicher und (städte-)baulicher Ressourcen, die Säuberung des Flusses als zivilgesellschaftliche Errungenschaft sowie die Schaffung öffentlicher Zugänge zum Wasser.

2.2. Trägt das Flussbad zur Gentrifizierung der Berliner Mitte bei?
Die Gentrifizierung der Berliner Mitte liegt in erster Linie in der Boden- und Immobilienspekulation begründet. Das Projekt FLUSS BAD BERLIN hingegen schafft und qualifiziert öffentliche Flächen, die kostenfrei und ohne weitere Voraussetzungen genutzt werden können. Gemeint ist, dass das Angebot an diesem neuen Ort sich nicht (abermals) an Bevölkerungsgruppen richtet, die von vornherein Vorteile durch Einkommen, Bildung oder soziale Herkunft besitzen. Damit werden bessere Voraussetzungen für eine Teilhabe in der Stadtmitte und strukturell ein Gegengewicht zu den stattfindenden negativen Entwicklungen geschaffen, wie z.B. der Privatisierung vormals öffentlicher Flächen oder der Wegfall zwischenzeitlich genutzter Brachflächen. Dabei ist davon auszugehen, dass das Nutzungsangebot nicht theoretisch bleibt, sondern große Anziehung auf die Bürger*innen, die nicht in der historischen Mitte wohnen, haben wird. Denn für etwa eine halbe Million Berliner*innen wird der Spreekanal das nächstgelegene zum Schwimmen nutzbare Gewässer sein. Indirekt – und das ist das Dilemma jeder Stadtentwicklungsmaßnahme, die eine lokale Verbesserung der Lebens- oder Wohnqualität bewirkt – kann aber die gestiegene Attraktivität zu einer erhöhten lokalen Nachfrage für Wohn- und Gewerbeflächen führen, die wiederum zu einem Anstieg der Preise führen kann, sofern regulative, politische Instrumente dem nicht entgegenwirken.

2.3. Braucht es in Berlins Mitte einen neuen, hochwertigen Außenraum?
Es wäre ein Missverständnis, davon auszugehen, dass das Projekt überall verwirklicht werden könnte. Tatsächlich ist das Vorhandensein der ungenutzten Wasserfläche des Spreekanals eine Besonderheit, die nur an dieser Stelle zu finden ist. Darüber hinaus gibt es weitere Gründe, warum das Projekt für den Spreearm prädestiniert ist:

2.3.1. Mangel an grün-blauen Erholungsräumen
Das Angebot an grünen oder „blauen“, d.h. in diesem Fall sogar zum Schwimmen nutzbaren, Flächen ist in der Stadtmitte geringer als in vielen anderen Stadtbezirken. Für mehr als eine halbe Million Berliner*innen wird das FLUSS BAD BERLIN die am nächsten gelegene zum Schwimmen nutzbare Wasserfläche sein [siehe 2.2.].
2.3.2. Ausgleichs- und Ergänzungswirkung, Symbolwirkung
FLUSS BAD BERLIN setzt speziell im Kontext zur historischen Stadtmitte und auch zur Museumsinsel wichtige Impulse [siehe 2.1.]. Speziell die historische Mitte ist empfindlich für Ausgrenzungseffekte [siehe 2.2., 2.6.] und für die Dominanz von überregionalen, hochspezialisierten oder touristisch ausgerichteter Nutzungen und Angeboten zu Lasten von „Alltagsfunktionen“ und „Alltagsangeboten“. Dadurch sinkt die Attraktivität des Bereichs für die Wohnbevölkerung der Stadt, sofern kein Ausgleich geschaffen wird  [siehe 2.2.].
2.3.3. Mikroklima
Ausweislich des „Berliner Atlas zur Umweltgerechtigkeit“ ist der Bezirk Berlin-Mitte im Bereich der Spreeinsel mit hoher bis sehr hoher thermischer Belastung, Luft- und Lärmbelastung ein dreifach beeinträchtigter Bereich und gehört zu den am höchsten beanspruchten Bereichen der Innenstadt. Ein hochwertiger, grüner Außenraum entlang des Spreekanals, wie er Bestandteil des Projektes FLUSS BAD BERLIN ist, verbessert das Mikroklima und verringert die Luftbelastung. Im großen Maßstab führen innerstädtische Naherholungsräume auch zu einer Reduzierung von Verkehr und somit zu weniger Lärm.


2.4. Trägt ein Flussbad zur Verschmutzung und „Übernutzung“ der öffentlichen Flächen im Berliner Zentrum bei?
FLUSS BAD BERLIN steht für eine multifunktionale und mischungsfreundliche Stadtgestaltung. Dabei schafft FLUSS BAD BERLIN, neben der bisher dominanten Präsenz von Geschichte, einen neuen nutzbaren Außenraum (den bisher ungenutzten Spreekanal sowie neue Ufertreppen) und wertet bereits bestehende Flächen auf (z.B. an der Fischerinsel). Angesichts des starken touristischen Andranges auf der Museumsinsel – und auch künftig soll das Humboldt Forum weitere drei Millionen Besucher im Jahr (durchschnittlich 9.000 Personen am Tag) anziehen. FLUSS BAD BERLIN ist als ein Schwimmbad für Sport- und Schwimmbegeisterte geplant; ausdrücklich nicht als ein Freizeit- und Spaßbad.
Die nur bei warmen Wetter Badenden und Neugierigen werden deshalb nicht wesentlich ins Gewicht fallen. Außerdem wird die Größe der Wasserzugänge selbstregulierend wirken. Um die besonders frequentierten zentralen Bereiche der Spreeinsel (z.B. Lustgarten, Unter den Linden) zu schonen, bieten gerade die dezentralen Wasserzugänge im nördlichen und südlichen Badebereich einerseits eine Entlastung des dazwischen gelegenen musealen Bereichs und anderseits eine Anbindung an benachbarten Wohngebiete.

2.5. Stellt das Flussbad eine Gefahrenquelle dar?
Das Unfallrisiko, das jedes Gewässer in sich birgt, wird von FLUSS BAD BERLIN weder verstärkt noch gemindert. Die reale Gefahr, dass man beim Schwimmen in natürlichen Gewässern ertrinken kann, ist ebenso existent und bekannt, wie die Tatsache, dass man beim Joggen im Park durch einen umfallenden Baum tödlich verunglücken kann. Aber daraus zieht die Allgemeinheit oder die Kommune nicht die Konsequenz, die Nutzung zu verbieten, sondern versucht, besondere Gefahrenpunkte für Leib und Leben zu entschärfen und Barrieren zu beseitigen. Eine Besonderheit des Spreekanals im Vergleich zu einem natürlichen See ist das Fehlen von Ein- und Ausstiegsmöglichkeiten über längere Abschnitte wegen der hohen, harten und glatten Uferwände. FLUSS BAD BERLIN plant deshalb Ausruhinseln, falls Schwimmer*innen die Kondition fehlt. Daneben geht FLUSS BAD BERLIN davon aus, dass es auch in Bezug auf die Wasserhygiene durch diverse Maßnahmen keine Risiken bestehen werden.


2.6.    Welchen Beitrag leistet das Flussbad für die Berliner Bewohner*innen?
Der historische Stadtkern Berlins ist heute vor allem durch kulturelle Angebote geprägt und hat sehr mit der Alltagsrealität der Stadtbewohner*innen zu tun. Trotz zahlreicher baulicher Maßnahmen in der historischen Stadtmitte haben die Nutzungsmöglichkeiten seit den 1990er Jahren eher an Vielfalt verloren. Dies wirkt sich negativ auf eine heterogene Sozialstruktur und somit auf die Attraktivität dieses Ortes für Menschen mit geringem Einkommen, niedrigem Bildungsgrad und alternativen Werteorientierungen aus.
Berlin wächst und verändert sich rasant. Es braucht funktionierende und von kultureller Diversität getragene, öffentliche Stadträume. Mit FLUSS BAD BERLIN erschließt sich die Stadt einen neuen sozialen Ort in ihrer Mitte. Die nichtkommerzielle und naturorientierte Nutzung des öffentlichen Raumes ermöglicht allen Bürger*innen Teilhabe und sorgt damit auch für Synergien an den sich dort baulich manifestierten und museal geteilten Werten unserer Kultur- und Wissensproduktion.
FLUSS BAD BERLIN steht für funktionale Mischung und soziale Vielfalt und kann erheblich der Entfremdung und Entmischung der Bewohner*innen zur Stadtmitte entgegenwirken, indem es das gegenwärtige Nutzungsangebot erweitert und einen attraktiven Begegnungsort schafft, der auch im Alltag der Berliner*innen präsent ist.

3. Ökologie

3.1.    Wie ist das Projekt im Kontext des Klimawandels zu bewerten?  
Mit der flächendeckenden Urbanisierung und dem anhaltenden Wachstum der Großstädte nehmen Wasser- und Luftverschmutzung und die Gefahr durch Überhitzung zu. Dicht besiedelte Großstädte, wie z.B. Berlin, werden die Folgen extremer Wetterereignisse und steigender Temperaturen stark zu spüren bekommen. Durch eine hitzeangepasste und wassersensible Stadtentwicklung kann die Lebensqualität in Berlin trotz klimatischer Veränderungen und innerstädtischer Nachverdichtung erhalten bleiben – ja, sogar gesteigert werden. Denn ausreichende Grün- und Erholungsflächen in den Städten schaffen kühlende Rückzugsorte in den heißen Sommermonaten [siehe 2.3.3.]. Pflanzenbestandene Wasserflächen, sogenannte Urban Wetlands, tragen dabei besonders effektiv zur Kühlung des Stadtklimas bei. Darüber hinaus schafft die Möglichkeit des individuellen Eintauchens in das Spreewasser auch eine subjektiv gefühlte Abkühlung. Das Projekt FLUSS BAD BERLIN setzt diese, der Resillienz dienenden Ziele im hitzeanfälligen Zentrum der Stadt um und demonstriert dabei die Potentiale einer hitzeangepassten Stadtentwicklung. Mit einer durchgängigen Wegeverbindung entlang des gesamten Spreekanals kann FLUSS BAD BERLIN darüber hinaus einen Beitrag zu einer rad- und fußverkehrsfreundlichen Stadtmitte leisten.


3.2.    Welchen ökologischen Beitrag kann FLUSS BAD BERLIN für die Stadt leisten?
FLUSS BAD BERLIN hat zum Ziel, die Struktur- und Wasserqualität des Spreekanals deutlich zu verbessern. Mit dem Projekt werden an einem überschaubaren Abschnitt der Innenstadtspree modellhaft Lösungen zur Verbesserung der Wasserqualität und Wasserreinhaltung getestet und weiterentwickelt [siehe 1.3.].
Die Verschmutzung der Gewässer ist weltweit ein großes Problem. Viele Flüsse, Seen und Kanäle sind stark mit Schadstoffen belastet. Deutschland und Berlin bilden dabei keine Ausnahme. Im Jahr 2019 erfüllte kein deutsches Bundesland die im Jahr 2000 formulierte Selbstverpflichtung aller EU-Mitgliedsstaaten, die Gewässer in einen „guten Zustand“ zu versetzen. FLUSS BAD BERLIN leistet zwar nur einen kleinen Beitrag, jedoch einen mit großer Strahlkraft. Mit den Maßnahmen zur Reduktion von Mischabwassereinleitungen und dem natürlichen Pflanzenfilter ist es ein Modellprojekt für die Verbesserung der Wasserqualität. Außerdem trägt FLUSS BAD BERLIN zu einer ökologischen Wiederbelebung der Uferzonen bei, speziell im Bereich der Fischerinsel. Pflanzenbestandene Bereiche und Flachwasserzonen, die zur Verbesserung der Struktur- und Wasserqualität dienen, wirken sich zusätzlich positiv auf das Mikroklima aus. Diese neuangelegten Bereiche bieten verbesserte Lebensräume für Pflanzen und Tiere inmitten einer zunehmend nachverdichteten Innenstadt [siehe 2.3.3.]. Das Projekt verbessert alles in allem die Aufenthalts- und Lebensqualität in der Innenstadt, insbesondere die Möglichkeit, hier demnächst naturnahe Erfahrungen machen zu können. Diese neue Möglichkeit kann auch das Bedürfnis der Stadtbewohner*innen verringern, am Wochenende oder Feierabend der Stadt entfliehen zu müssen.

4. Die Geschichte des Spreekanals und seiner Nutzungen

4.1. Wofür wurde der Spreekanal geschaffen und was ist seine Funktion heute?
Der Spreekanal ist eine der ältesten Wasserstraßen Berlins und übernahm im Laufe seiner Geschichte verschiedene Funktionen. Für die Entwicklung der mittelalterlichen Doppelstadt Berlin-Cölln hatte der Spreekanal eine überragende Bedeutung: Er war lebensnotwendiger Handelsweg, Energielieferant (über seine Mühlen) und diente als Stadtgraben vor der mittelalterlichen Stadtmauer der Verteidigung. Ab dem Jahr 1850 gab es in der Spree und im Spreekanal ebenso städtische Flussbadeanstalten, die jedoch aus hygienischen Gründen bis zum Jahr 1925 geschlossen wurden. Siehe auch.
Die wichtigste Funktion des Spreekanals war jedoch stets die Nutzung für die Schifffahrt. Vom 16. bis zum 19. Jahrhundert stellte der Kanal den Hauptverbindungsweg für Schiffe durch die Stadt dar. Die Eröffnung der Mühlendammschleuse im Jahr 1894 machte die östlich der Insel verlaufende Hauptspree für den Schiffsverkehr nutzbar. Seit dem Jahr 2000 ist keine durchgehende Schifffahrt im Kanal mehr möglich. Siehe auch: Spree und Spreekanal im Laufe der Jahrhunderte. Heute übernimmt der Spreekanal vor allem die Funktion der Hoch- und Abwasserabfuhr.

4.2. Was bedeutet es, dass der Kanal als Bundeswasserstraße ausgewiesen ist?
Die aktuelle Widmung als „Bundeswasserstraße“ bedeutet zweierlei: Erstens ist der Bund ist für dieses Gewässer zuständig und es handelt sich um einen Verkehrsweg für Schiffe. Diese wegerechtliche Definition bedeutet allerdings nicht, dass darin nicht geschwommen werden darf. Ein Verbot besteht nur vor oder hinter Brücken. Denkbar wäre, dass der Spreekanal Bundeswasserstraße bleibt, sich während der Sommermonate zu einem Flussbad verwandelt und für den Schiffsverkehr währenddessen nicht freigeben wird.
Es bestünde auch die Möglichkeit, dass der Bund den Spreekanal, der heute schon nicht mehr durchgängig von Schiffen befahren werden kann, entwidmet bzw. umwidmet und die Verwaltung an das Land Berlin abgibt. In der durchaus wichtigen Frage, wer dann die Unterhaltskosten für den Spreekanal übernimmt, besteht zwischen Bund und Land noch keine Einigkeit [siehe 1.4.].

5. Denkmalschutz

5.1. Gefährdet das Flussbad den Status des UNESCO-Weltkulturerbes und denkmalgeschützter Gebäude?
Im Projektgebiet befindet sich eine große Anzahl von Baudenkmälern. Allen voran die Museumsinsel, die 1999 als Gesamtensemble von Gebäuden und Freiflächen zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde. Die Berliner Museumsinsel und die umliegende Pufferzone unterliegt damit dem besonderen Schutz. Diese außergewöhnlichen Voraussetzungen und Rahmenbedingungen wurden bei den Planungen für das FLUSS BAD BERLIN berücksichtigt. Dafür hat der Verein Flussbad Berlin e.V. eine umfangreiche Dokumentation aller Denkmale und Ensembles im Projektgebiet erstellen lassen, auf dessen Grundlage Lösungsvorschläge für denkmalpflegerische Bedenken erarbeitet wurden. Ein Beispiel dafür ist die Zurücknahme der Bepflanzung des Filterbereichs an der Jungfernbrücke, damit sich die älteste Brücke Berlins weiterhin im Wasser spiegeln kann.
Auch der ursprüngliche Vorschlag eine zentrale Freitreppe am Lustgarten zu errichten, wurde aufgrund denkmalpflegerischer Einwände zurückgestellt. Stattdessen wird nun ein dezentrales Wasserzugangskonzept verfolgt, welches im südlichen Schwimmbereich Freitreppen am Humboldt Forum und an der ESMT Berlin vorsieht. Ein weiterer Wasserzugang ist im am nördlichen Ende des Badebereichs vorgesehen. Gegenüber des Bode-Museums ist ein schmaler schwimmender Ponton vor der Ufermauer geplant. In der Pufferzone der UNESCO-Weltkulturerbestätte Museumsinsel und am Lustgarten ist der Umfang der sichtbaren und dauerhaften Eingriffe so nur minimal. In Bezug auf die Ziele einer modernen Denkmalschutz Auffassung wären so durch FLUSS BAD BERLIN durchaus positive und verstärkende Effekte zu erzielen. (Denn) Um die denkmalgeschützten Bauwerke für die Gesellschaft attraktiv zu halten oder zu machen sowie für weitere Generationen zu bewahren, ist neben dem materiellen Schutz eine sozio-kulturelle Einbettung nötig. Hier könnte man den Grund für die Fehlentwicklung, dass die Stadtmitte hauptsächlich zu einem touristischen Anziehungsort wurde, finden - zu Lasten ihrer lokalen und alltäglichen Funktion und Bedeutung [siehe 2.2.; 2.3.2.; 2.6.]. Indem FLUSS BAD BERLIN zur Identifikation der Bürger*innen mit diesem Ort beiträgt, unterstützt es das Anliegen, den historischen Ort als Teil einer lebendigen Stadt zu pflegen und zu erhalten.
FLUSS BAD BERLIN enthält somit zahlreiche Aspekte einer an Nachhaltigkeit orientierten, bürgerbezogenen Stadtplanung und steht somit in Übereinstimmung mit den Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen (Ziel 11: Nachhaltige Städte und Gemeinden) und dem europäischen Bekenntnis der „Leipzig Charta für eine nachhaltige europäische Stadt“ (2007).

6. Wasserreinigung und Wasserreinhaltung

6.1. Ist der Spreekanal überhaupt als Badegewässer geeignet?
FLUSS BAD BERLIN geht davon aus, dass alle Normen, die für Badegewässer gelten, auch für den Spreekanal erfüllt werden können. Die Methoden und Grenzwerte, die zur Beurteilung der Wasserhygiene von Badegewässer gelten, werden prinzipiell auch für Gewässer angewendet, die von der Abwasserbelastungen betroffen sind, wie dem Spreekanal. Entscheidend für die Beurteilung der Badegewässerqualität ist, dass zwischen dem Zeitpunkt und dem Ort der Einleitung einer Verschmutzung und der jeweiligen Badestelle eine Reduktion der Belastung erfolgt ist, so dass die gesetzlichen Grenzwerte eingehalten werden. Beispielsweise gilt auch der Wannsee (Havel) als offizielles Badegewässer, obwohl er zu zwei Dritteln durch Spreewasser gespeist wird, das vorher durch Abwassereinleitungen verschmutzt wurde. Hier wurde der Nachweis erbracht, dass die Messwerte zur Bestimmung der Keimbelastung unterhalb der Grenze liegen, die als gesundheitlich bedenklich gilt. Es sind Selbstreinigungsprozesse des Wassers, u.a. durch die Sonneneinstrahlung, die hier die Keimbelastung reduzieren.
Bei FLUSS BAD BERLIN sind es eine Anzahl aufeinander abgestimmter Elemente und Verfahren, die dafür sorgen sollen, dass der Spreekanal als Badegewässer genutzt werden kann. Die Bausteine sind die Verhinderung von Kanalisations-Einleitungen in den Schwimmbereich sowie eine gesteuerte Filterung des ankommenden Flusswassers. Die Wasserqualität des Zustroms wird durch echtzeitfähige Systeme überwacht bzw. prognostiziert den Zustrom, so dass er entsprechend gesteuert werden kann.
Für das Zulassungsverfahren des Spreekanals als Badegewässer wird ein Badegewässerprofil erstellt. Dieses soll umfassend dokumentieren, welche potenziellen Gefahren bestehen. Gefahren könnten zum Beispiel eine Belastung durch Krankheitserreger, Giftstoffe im Sediment [siehe 6.5] oder Gefahrenstellen für Schwimmer*innen sein. Die Zulassung des Kanals als eine Badestelle ist davon abhängig, dass der Abwehr von Gefahren in ausreichender Weise entsprochen werden kann.


6.2. Wie ist die Wasserqualität in der Spree?
Die von FLUSS BAD BERLIN kontinuierlich erhobenen Messergebnisse zeigen, dass der Spreekanal, abgesehen von den Starkregen- und Überlaufereignissen, überwiegend eine gute bis sehr gute Wasserqualität aufweist. Gemeint ist die Qualitätsbeurteilung in Bezug auf Badegewässer, die auf der normierten Untersuchung ausgewählter „Indikator“-Keime basiert. Stets konzentrieren sich die Untersuchungen auf zwei mikrobiologische Parameter, den E. coli und intestinale Enterokokken, welche auf mögliche fäkale Verunreinigungen hinweisen können [siehe 6.6.].
 Charakteristisch für die Spree (wie für viele Flüsse in anderen Städten) sind sogenannte „Einleitereignisse“. Dann läuft die Abwasserkanalisation bei Starkregen in den Fluss über und leitet in kurzer Zeit erhebliche Mengen völlig ungeklärter Haushalts- und Industrieabwässer in den Fluss ein [siehe 6.3.] Dadurch entstehen für die Wasserqualität Belastungsspitzen mit extremen Werten, wobei bei solchen Vorkommnissen die gültigen Grenzwerte der einschlägigen Keime um mehr als das 100-fache überstiegen werden können.
Neben der Verunreinigung infolge von Einleitungen nach Regenereignissen führt der Nährstoffgehalt in stehenden oder sehr langsam fließenden Gewässerabschnitten zu einer Massenvermehrung von Algen und z.B. den potentiell toxischen Cyanobakterien. Dadurch bedingt ist, dass die Wasserqualität je nach Zeitpunkt und Ort innerhalb der Innenstadtspree recht unterschiedlich sein kann.


6.3. Wie oft werden Abwässer aus der Mischwasserkanalisation in den Spreekanal eingeleitet?
Über insgesamt elf Überlaufstellen im Bereich des Spreekanals werden bei durchschnittlich bis zu elf Extremwetterereignissen pro Jahr circa 45.000 Kubikmeter ungeklärte Abwässer in den Spreekanal eingeleitet. Da das Kanalwasser aber auch durch Überläufe belastet ist, die vor bzw. oberhalb des Spreekanals stattfinden, ist die Anzahl der zu berücksichtigenden Ereignisse größer. Das größte Überlaufbauwerk im Spreekanal misst 1,8 Meter im Durchmesser und ist für circa 70 Prozent der jährlichen Mischwasserbelastungen im Abschnitt des Spreekanals verantwortlich. Diese Mengen schmutzigen Wassers kommen nicht aus der unmittelbaren Umgebung, sondern werden aus dem Bereich südöstlich des Zentrums gelegene Stadtbezirke herangeführt (Friedrichshain, Kreuzberg).


6.4. Warum werden die Einleitungen nicht verhindert?
Durch das Land Berlin und die Berliner Wasserbetriebe werden durchaus Anstrengungen unternommen, die Anzahl und Menge der Einleitungen reduzieren sollen. Allerdings ist keine Maßnahme oder kein Maßnahmenpaket bekannt, welches das Problem für Berlin und die Spree bei leistbarem Aufwand beseitigen kann.
FLUSS BAD BERLIN hat selbst solche Maßnahmen zur Modernisierung der angrenzenden Kanalisation mitgedacht: die Errichtung eines Bewirtschaftungsbauwerks am Ende des größten Regenüberlaufrohres, mit einem Volumen von ca. 4.500 Kubikmeter ist es als zusätzlicher Abwasserspeicher nutzbar. Somit könnte der größte Teil (ca. 70%) der Menge der Einleitungen in den Spreekanal verhindert werden.

6.5. Was wissen wir zu Schadstoffen im Sediment?
Eine vollständige und systematische Untersuchung der Sedimente der Spree und des Spreekanals ist bisher nicht unternommen worden. Allerdings wurden im Kontext verschiedener eigener und fremder Baumaßnahmen im Spreekanal Sedimentproben genommen (z.B. zur Bestimmung des Belastungsgrades bzw. Bestimmung der Deponieklasse für das Sedimentmaterial). Dabei wurden keine außergewöhnlichen bzw. kritischen Belastungen registriert. Die entscheidende Frage ist, ob in den Sedimenten Stoffe, z.B. Schwermetalle in einer so großen Konzentration und Löslichkeit akkumuliert sind, so dass eine gesundheitsgefährdende Rückspülung in das Flusswasser zu befürchten wäre.


6.6. Welchen Richtlinien folgt das FLUSS BAD BERLIN?
FLUSS BAD BERLIN orientiert sich an den Hygienebestimmungen der EU-Badegewässerrichtlinie und der darauf aufbauenden Berliner Badegewässerverordnung. Als Überwachungswerte gemäß EU-Badegewässerrichtlinie gelten vor allem mikrobiologische Parameter, wie intestinale Enterokokken und Escherichia Coli, die als Indikatoren für eine fäkale Verschmutzung dienen. Darüber hinaus sind weitere Parameter, wie Phytoplankton und Cyanobakterien sowie sonstige Verschmutzungen, zu berücksichtigen.
Eine spezifische Definition der Untersuchungsauflagen für das Baden im Spreekanal werden in dem noch zu erstellenden Badgewässerprofil enthalten sein [siehe 6.1.].


6.7. Welchen Beitrag leistet FLUSS BAD BERLIN für die Wasserqualität der gesamten Spree?
FLUSS BAD BERLIN hat das Ziel der ökologischen und wasserhygienischen Verbesserung des Spreekanals. Dazu zählt der natürliche Pflanzenfilter, der das Wasser biologisch reinigt sowie das geplante Bewirtschaftungsbauwerk, welches als größter Regenüberlaufspeicher bei Starkregen 4.500 Kubikmeter Abwasser zurückhält [siehe 1.4.; 6.4.]. Diese Maßnahmen bewirken eine direkte Verbesserung der Wasserqualität gemäß der EU- Wasserrahmenrichtlinie in diesem Spreeabschnitt. Der direkte Effekt dieses - doch räumlich sehr begrenzten - Projektes für die Wasserqualität der gesamten Spree ist als gering einzuschätzen. Es kann nur ein kleiner Teil des Spreewassers, circa 0,5 Kubikmeter pro Sekunde, gefiltert werden und außerdem werden Einleitungen aus der Mischkanalisation vor und auch hintern dem Spreekanal weiterhin notwendig sein.
Dem gegenüber ist der mögliche indirekte Effekt des Projektes –bezogen auf das mittelfristige Ziel einer gewässerökologischen Verbesserung der gesamten Berliner Spree– hoch einzuschätzen. Dadurch, dass FLUSS BAD BERLIN ermöglicht, den Fluss körperlich erfahrbar und sinnlich erlebbar werden zu lassen, rückt der Fluss bzw. die damit zusammenhängenden Themen in das Bewusstsein der Menschen. Die räumliche Konzentration der drei Abschnitte und die verschiedenen Funktionen des Projektes zeigen die Wirkungszusammenhänge zwischen Wasser, Stadt und Bewohner*innen auf. FLUSS BAD BERLIN macht die Investitionen in den Gewässerschutz für Menschen positiv sichtbar, erfahrbar und dient als Anreiz für weitere Investitionen in den Gewässerschutz. Mittel- und langfristig kann damit eine ökologische Verbesserung der Flüsse in Berlin und darüber hinaus bewirkt werden.


6.8. Welche Verunreinigungen kann der Filter reinigen?
Die Ergebnisse des Testbetriebs der Testfilteranlage zeigen, dass die Keimbelastung des Flusswassers um etwa 90 Prozent reduziert wird. Im Normalbetrieb klärt der Filter auf diese Weise pro Sekunde etwa 0,5 Kubikmeter Spreewasser [siehe 6.7.]. In den sehr kurzen Phasen mit zu hoher Keimbelastung nach „Einleitereignissen“ muss dieser Filterprozess entweder vorübergehend verlangsamt oder angehalten werden [siehe 6.3.], oder gegebenenfalls durch eine zweite – dann technische – Reinigungsstufe per UV Bestrahlung ergänzt werden [siehe 6.2.]. Der FLUSS BAD FILTER reduziert ebenfalls die Trübung des Wassers, was für die Zulassung des Spreekanals als Badegewässer ebenfalls sehr wichtig ist.


6.9. Wie geht Filter mit multiresistenten Keimen und Medikamentenrückständen im Wasser um?
Multiresistente Keime zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich gegenüber Antibiotika abgehärtet haben. Die Filterwirkung in einem Bodenfilter beruht aber auf einem andersartigen biologischen Ab- oder Umbauprozess, so dass die Antibiotikaresistenz an sich unbedeutend ist. Entscheidender ist, ob es Anhaltspunkte dafür gibt, dass im Spreekanal bestimmte und außergewöhnlich gefährliche Bakterien – wie z.B. MREs - existieren, die in der üblichen Untersuchung der Wasserqualität grundsätzlich nicht erfasst werden. Diese hätten selbst in einer geringen Konzentration nach der Filterung eine gesundheitsgefährdende Wirkung. Diese Frage ist, ggf. im Zusammenhang der Erstellung des Badegewässerprofils, genau zu untersuchen [siehe 6.1.].
Medikamentenrückstände hingegen sind im Wasser in Bezug auf die Badegewässerhygiene kein Problem, welches berücksichtigt werden muss. Badegäste verbringen nur kurze Zeit im Wasser und die Wasseraufnahme in den Körper ist dabei nur gering. Hingegen haben Medikamentenrückstände bei der Trinkwassergewinnung eine gesundheitsschädliche Wirkung.


6.10. Wie geht der FLUSS BAD FILTER mit Algenblüte (insbesondere Blaualgen/Cyanobakterien) um?
Nährstoffe, wie Phosphat und Stickstoff, können indirekt zu einer Belastung von Badegewässern führen. Dann führen sie in langsam fließenden Gewässern zu einer Massenvermehrung von Phytoplankton, Algen und Cyanobakterien (Blaualgen). Diese Eutrophierung führt zu einer hohen Sauerstoffzehrung (dem „Umkippen" eines Gewässers), was zu Fischsterben und Geruchsbildung führen kann, aber keine unmittelbare Auswirkungen auf Badende und Schwimmende hat.
Allerdings scheiden einige Cyanobakterien gesundheitsgefährdende Toxine aus, so dass eine Massenentwicklung von Blaualgen zu einer Schließung der Badestelle führen würde. Doch sind Toxine absondernde Cyanobakterien insbesondere von stehenden Gewässern bekannt – die bisher in der Spree nachgewiesenen Blaualgenarten sondern jedoch keine Gifte ab. Algen reduzieren zudem die Sichttiefe, wodurch die Sicherheit des Badebetriebes eingeschränkt ist.
Der Filterprozess im FLUSS BAD BERLIN reduziert auch die im Wasser vorhandenen Algen und Cyanobakterien [siehe 6.8.]. Der Filter wurde so konzipiert, dass er innerhalb von 24 Stunden das Wasser des Badebereichs komplett austauscht. Da die allermeisten Bakterienarten eine Verdopplungszeit von ein bis vier Tagen haben, bedeutet eine Aufenthaltszeit von einem Tag für das Wasser im Badebereich, dass die Algen keine Zeit haben, sich signifikant zu vermehren. Weitere Nährstoff- und Keimeinträge durch die Badenden werden durch die permanente Erneuerung des Badewassers ebenfalls abgeleitet.


6.11. Wie funktioniert der Filter bei Starkregenereignissen?
Bei Starkregen kommt es zu einer extremen Verschmutzung des Kanals, da ungeklärte Abwässer eingeleitet werden. Dies führt zu Belastungsspitzen, also zu einer sehr starken Verunreinigung. Diese tritt rasch ein, hält aber nur für kurze Zeit von meist ein bis drei Tage an. In dieser Ausnahmesituation ist die 90-prozentige Reinigungswirkung des Filters nicht mehr ausreichend. Bei solchen extremen Belastungsspitzen müsste der Filter eine Leistungsfähigkeit von 99 Prozent oder mehr haben, um die Keimbelastung abbauen zu können. Das wäre eine 10-fache Leistungssteigerung gegenüber den sich gegenwärtig in Erprobung befindlichen biologischen Bodenfilter. Allerdings besteht in diesen Situationen die Möglichkeit, die Wasserzufuhr zu drosseln, um die Verweildauer des Wassers im Filter zu erhöhen und somit den Wirkungsgrad zu erhöhen. Eine andere Option ist es, die Wasserzufuhr in den Badebereich vorübergehend ganz zu stoppen, so dass das nach der Filterung immer noch zu stark belastete Flusswasser gar nicht dorthin gelangt. Dies hätte keine oder nur geringe Auswirkungen auf den Badebetrieb, da die Belastungsspitzen nach Überlaufereignissen in der Regel auf Stunden bis wenige Tage begrenzt sind. Das Volumen des Schwimmbereichs (45.000 Kubikmeter) ist ausreichend, um ohne weitere Zufuhr von gereinigtem Wasser die Wasserqualität für einen solchen kurzen Zeitraum aufrecht zu erhalten. Bei sehr ungewöhnlich extremen Bedingungen, z.B. eine Serie von Starkregenereignissen über viele Tage hinweg oder bei einem Befall mit Blaualgen [siehe 6.10], müsste der Schwimmbetrieb vorübergehend eingestellt werden. Die Daten unserer Testfilteranlage zeigen, dass in der Beobachtungszeit (2017 bis 2019) keine derartig lang anhaltende Verschmutzung aufgetreten ist, bei welcher der Schwimmbetrieb hätte eingestellt werden müssen.


6.12. Wie funktioniert der Filter bei Trockenperioden?
In den Sommermonaten kann das Wasseraufkommen in der Spree aufgrund von Trockenheit stark abnehmen. Generell ist der Wasserhaushalt der Spree überaus komplex und das Ergebnis einer großen Zahl gleichzeitiger Einspeiser und Verbraucher; siehe dazu.
Für den Betrieb von FLUSS BAD BERLIN ist maßgeblich, ob an der Staustufe Mühlendamm weiter ein Abfluss stattfinden darf und wenn ja, wie die zur Verfügung stehenden Wassermengen verteilt werden können. Um das bei Trockenheit weniger werdende Wasser konkurrieren dann nämlich drei unterschiedliche Anliegen: 1. Die Schleusenanlage (für die Schifffahrt durch die Stadt) mit der 2. die künftige Fischaufstiegs- und Fischabstiegsanlage (für das Ökosystem in der Stadt) mit dem 3. FLUSS BAD BERLIN (für das soziale und kulturelle Leben in der Stadt). Von den drei Verbrauchern hat das FLUSS BAD BERLIN mit 0,5 Kubikmetern Wasser pro Sekunde den geringsten Bedarf. Dieser Wasserdurchsatz kann vermutlich weiter reduziert werden. Steht aber über längere Zeit gar kein Wasser zur Verfügung, muss der Schwimmbetrieb vorübergehend eingestellt werden. Ein Konzept für ein künftiges Abflussmanagement gilt es im weiteren Verfahren noch zu entwickeln.

6.13. Ist der Filterbau überhaupt notwendig?
Aktuell laufen die Untersuchungen rund um den FLUSS BAD FILTER (Testfilterschiff Hans-Wilhelm), die erstmals eine engmaschige Datengrundlage schaffen und eine Einschätzung der tatsächlichen Häufigkeiten und Intensitäten der Verschmutzungsbelastung erlauben. Vorbehaltlich ggf. abweichender Vorgaben bezüglich der Beurteilung der Gewässerqualität [siehe 6.1.] könnte auf einen Filter verzichtet werden – vorausgesetzt, ein System zur Überwachung und Prognose von Einleitungseignissen sowie die zeitweise Sperrung des Schwimmbereichs bei Extremereignissen kann schnell und präzise entwickelt und eingerichtet werden.
Eine Abschätzung bzw. Prognose des Zuwachses oder des Verlustes an nutzbarer Zeit im Verhältnis zu den einzelnen Investitionsbereichen bzw. Projektbestandteilen und darauf aufbauend eine finale Festlegung des optimalen Projektumfangs wurde bisher nicht durchgeführt und ist spätestens im Rahmen der Vorplanung zu leisten. Hier wären dann verschiedenste Teile zu behandeln, u.a. das Bewirtschaftungsbauwerk, das Bypass Rohr, das Abschlusswehr oder die Wehranlage.
Bei der Beurteilung sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass das Vorhandensein des Filters nicht nur die saisonale zulässige Dauer der Nutzbarkeit beeinflusst, sondern zu jedem Zeitpunkt auch einen Qualitätsgewinn des Wassers bedeutet [siehe 6.1.ff].Hinsichtlich der Absicht von FLUSS BAD BERLIN, die Berliner*innen (wieder) mit „ihrer“ Spree in Kontakt zu bringen, könnte das einen Unterschied machen. Außerdem stellt der Filter bei plötzlichen Unwettern und den unmittelbar resultierenden Einleitereignissen [siehe 6.3.] auch einen Zeitpuffer von circa drei Stunden her und senkt die Anforderungen an ein Wasserqualitätsprognosesystem und das Management einer plötzlich erforderlich werdenden Sperrung des Schwimmbereichs.

7. Verein, Förderung und Finanzierung

7.1. Welche Förderungen erhält das FLUSS BAD BERLIN?
Im Juni 2014 konnte mit Mitteln der LOTTO-Stiftung Berlin in Höhe von 110.000 Euro die Herstellung einer vertiefenden Konzeption und eines hydrologischen Gutachtens beauftragt werden. Die grundsätzliche technische Machbarkeit des Projektes wurde darin bestätigt.
Zwischen 2014 und 2018 wurde der gemeinnützige Verein Flussbad Berlin e.V. im Rahmen des Bundesprogramms „Nationale Projekte des Städtebaus“ mit vier Millionen Euro zur Entwicklung und Vermittlung des Vorhabens durch Bund und Land gefördert. Seit 2019 besteht die Zusage einer Anschlussförderung für weitere fünf Jahre aus demselben Förderprogramm. Mit der Förderung von insgesamt 6,4 Millionen Euro wird vor allem die Freitreppe Schlossfreiheit als Zugang zum Schwimmbereich vor dem Humboldt Forum als erstes bauliches Modul realisiert. Der Verein Flussbad Berlin e.V. sorgt in diesem Zeitraum für die strategische und inhaltliche Begleitung der Planungen und die Vermittlung der prozessualen Projektentwicklung in die breite Öffentlichkeit.

7.2. Welche Ziele verfolgt der Verein?
Ziel des gemeinnützigen Vereins ist, den Entstehungsprozess des Projektes FLUSS BAD BERLIN bis zur Fertigstellung zu begleiten. Zum einen vertieft er die Ausarbeitung der Projektidee und arbeitet konzeptionell an der Fort- und Weiterentwicklung. Zum anderen übernimmt der Verein die Vermittlungsarbeit und stärkt das Vorhaben in seiner Sichtbarkeit. Er sucht den Dialog zu allen Beteiligten, einer breiten Öffentlichkeit, den Anwohner*innen und den zukünftigen Nutzer*innen. Ebenso arbeitet der Verein aktiv mit der Berliner Senatsverwaltung, Anrainerprojekten und Institutionen zusammen.
Sowohl Mitglieder als auch ehrenamtliche Unterstützer*innen bilden hierbei das Fundament des Vereins; insbesondere für die Vermittlung des Projekts. Sie sind beispielsweise bei Aktionen, externen Veranstaltungen und bei FLUSS LÄUFEN durch das Projektgebiet aktiv und geben dem FLUSS BAD BERLIN Projekt eine eigene Stimme.

7.3. Wer ist für den Betrieb des späteren Flussbades zuständig?
Vorerst verfolgt der Verein das Ziel der Umsetzung der Planungen. Ob der Verein selbst auch Träger eines realisierten Flussbades wird bzw. von welchem Teilaspekt, ist offen und gilt im weiteren Planungsprozess zu klären. Dabei ist klar, dass es einen abgetrennten Betrieb deshalb nicht geben kann, weil wesentliche technische Systeme und Einflussgrößen - z.B. die Steuerung der Wehre und der Betrieb der Anlagen des Abwassersystems - nicht aus ihren jeweils sehr viel größeren betriebstechnischen und -wirtschaftlichen Kontexten herausgelöst werden können. Hier müsste der Weg umgekehrt erfolgen, nämlich, dass die Belange des Flussbad-Betriebs koordiniert von diesen Bereichen mit übernommen werden müssten. Nur die überschaubar wenigen und klar abtrennbaren Betriebsaspekte (z.B. der Betrieb von speziellen Anlagenteilen, wie den Umkleidekabinen oder den Wasserzugangsstegen oder die Überwachung der Sicherheit des Badebereichs) sollten in einer eigenständigen Institution zusammengefasst werden.
Zu klären ist, wer für die Folgekosten des Betriebs und des Managements (beispielsweise der Wartung und Instandhaltung des Kanals) zuständig ist, die heute vom Bund getragen werden. [siehe 1.4.; 4.2.]

8. Stimmt das wirklich?

Insbesondere über die sogenannten „sozialen Medien“ wurden in den vergangenen Wochen und Monaten von wenigen Einzelpersonen neben tendenziösen und polarisierenden Aussagen zum FLUSS BAD BERLIN vermehrt auch unsachliche und nachweislich falsche Informationen zum Projekt in Umlauf gebracht, um dieses zu diskreditieren bzw. zu verhindern. Eine dieser Personen nutzt die „Kritik“ am Projekt und die Verbreitung von Falschinformationen dazu, um indirekt für die Produkte bzw. Dienstleistungen seines eigenen Unternehmens zu werben.
Im Folgenden stellen wir die wichtigsten der in Umlauf gebrachten Falschinformationen zum Projekt FLUSS BAD BERLIN richtig.


8.1. Es soll ein Schwimmverbot für Kinder geben?
Diese Aussage ist unwahr. Richtig ist, dass das vorliegende Konzept für das FLUSS BAD BERLIN die Anlage von prinzipiell jederzeit frei zugänglichen „Badestellen“ am Spreekanal vorsieht. Dies bedeutet, dass es prinzipiell keinen geregelten und zeitlich definierten „Badebetrieb“ und im Grundsatz keine personelle Beaufsichtigung des Badebetriebs geben wird. Ein solch beaufsichtigter Badebetrieb wäre die Voraussetzung zur Schaffung von expliziten Angeboten für bestimmte Zielgruppen und würde somit zu einer Kommerzialisierung des öffentlichen Raumes führen.
Kinder können also natürlich das FLUSS BAD BERLIN nutzen, um deren Sicherheit müssen sich aber – wie an jedem See oder Strand oder unbeaufsichtigte Badestelle – die Erziehungsberechtigten selbst kümmern.
Damit ist umgekehrt auch nicht ausgeschlossen, dass räumlich oder zeitlich begrenzte Abschnitte gebildet werden könnten, in denen als eine Art Zusatzangebot auch eine Beaufsichtigung des Badebetriebs angeboten werden kann.


8.2. Die geplante Freitreppe an der Schlossfreiheit ist nicht barrierefrei?
Diese Aussage ist unwahr. Der Zugang an dieser Stelle wird – wie geplant – barrierefrei ausgeführt. Der aktuelle vorliegende Vorentwurf der mit der Planung beauftragten Landschaftsarchitekten sieht zu diesem Zweck den Bau und Betrieb eines Aufzuges vor.


8.3. Der geplante Filter zur Reinigung des Flusswassers funktioniert nicht?
Diese Aussage ist unwahr. Siehe Kapitel 6 zur Wasserreinigung und Wasserreinhaltung [insbesondere 6.8. sowie 6.11.].

8.4. Die erwarteten Kosten für Planung und Realisierung des Projektes betragen inzwischen bis zu 200 Millionen Euro?
Diese Aussage entbehrt einer sachlichen Grundlage [siehe 1.4.].